„Wir haben abgetrieben“ – Das Ende des Schweigens
- D 2011 (50 Min.)
- Dokumentation

6. Juni 1971. Im „Stern“ erklären 374 Frauen – unter ihnen Senta Berger, Alice Schwarzer und Romy Schneider: „Ich habe abgetrieben!“ Die Bundesrepublik steht Kopf. Es wird ein Tag, der in die Geschichte eingeht. Es sind Arbeiterinnen, Lehrerinnen, Studentinnen, Hausfrauen und neun prominente Schauspielerinnen, die diesen Appell unterschreiben. Das öffentliche Geständnis ist ungeheuer mutig, denn zum Skandal, den sie damit auslösen, machen sich die Frauen durch ihr Bekenntnis zur Abtreibung strafbar. Die Aktion wird zum Auslöser für eine breite Frauenbewegung, in der es in kurzer Zeit nicht mehr nur um eine selbstbestimmte Familienplanung geht.
Abertausende Frauen emanzipieren sich von den althergebrachten Rollen als Hausfrau und Mutter, entwickeln ein neues Selbstbewusstsein, erlauben sich Freude und Lust und gehen beruflich unabhängige Wege. Vorbild für die Initiative war eine Aktion in Frankreich. Am 5. April 1971 erschien im „Nouvel Observateur“ eine Petition von 343 Frauen, die erklärten, abgetrieben zu haben.
Zu den Unterzeichnerinnen zählten Simone de Beauvoir, Jeanne Moreau, Françoise Sagan, Agnès Varda und andere bekannte Persönlichkeiten. Bekennerinnen von damals erzählen in der Dokumentation, wie die Aktionen in Deutschland und Frankreich ihr Leben geprägt haben. Darunter die Feministin Alice Schwarzer, die Schauspielerin Senta Berger und Ulla Böll, die Nichte von Heinrich Böll, sowie die Theater- und Filmregisseurin Ariane Mnouchkine und die Frauenrechtlerin Anne Zelensky Der Film „Wir haben abgetrieben! – Das Ende des Schweigens“ zeichnet ein Sittengemälde von vier Jahrzehnten in Deutschland und Frankreich, das mit der brutal ausweglosen Situation von Frauen startet, die sich aus sozialer, beruflicher oder psychischer Not heraus Ende der 60er Jahre zu einer illegalen Abtreibung entschließen.
Es ist das Verdienst der beiden Autorinnen Birgit Schulz und Annette Zinkant, dass sie mit ihren kämpferischen Protagonistinnen nicht im Gestern stehen bleiben, sondern dem Thema eine heutige politische Relevanz abgewinnen. (Text: WDR)
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