Verlorenes Leben

    D 1976
    Drama (92 Min.)
    Im deutschen Schlesien, irgendwo auf einem Landgut des Jahres 1927. Dort wird eines Tages ein achtjähriges Mädchen tot aufgefunden. Es besteht kein Zweifel: Sie ist ermordet worden. Ein Sexualverbrechen. Der vorurteilsbehaftete Polizeikommissar Weber ist sich sicher, dass der polnische Landschaftsgärtner Siegfried Cioska, ein bulliger Bär von einem Mann, die grausame Tat begangen haben muss. Das Problem ist nur: Er kann es ihm überhaupt nicht nachweisen. Und so greift Weber zu einem Trick. Als Cioska, den Unterstellungen und Schmähungen der Landbevölkerung nicht mehr standhaltend, nach Berlin weiterzieht, setzt Weber einen Landsmann Cioskas auf diesen an. Der ist optisch das ganze Gegenteil des Gärtners: Ein spindeldürrer Hänfling namens Wenzel Sigorski, ein polnischer Student, soll als Spitzel Cioskas Vertrauen gewinnen, um diesem so bald wie möglich ein Geständnis zu entlocken. Tatsächlich freunden sich die beiden ungleichen Männer bei gemeinsamen Unternehmungen allmählich an und entwickeln so etwas wie eine Männerfreundschaft. Dies kann Sigorski nicht lieb sein, bedeutet das doch, dass sich in ihm angesichts seines schäbigen Doppelspiels allmählich Skrupel breitmachen. Bald glaubt Wenzel an Siegfrieds Unschuld, doch das ist Weber egal. Er will, dass Cioska schuldig ist, und an diesem Glauben hält er mit immer stärker anwachsendem, erbarmungslosen Fanatismus fest. Um endlich zu einem für ihn befriedigenden Ergebnis zu kommen, stellt Kommissar Weber dem Gärtner eine Falle: Er lässt Sigorski zum Schein einen Mord begehen, bei dem Cioska ungewollt Zeuge wird. Sigorski gibt vor, fliehen zu müssen, weil Cioska ihn nun in der Hand habe. Da gesteht Cioska endlich den Mord an dem Mädchen, in der Hoffnung, dass man nun pari sei. Weber ist zutiefst befriedigt, er verhaftet den Täter, der später hingerichtet wird, auch wenn, dies ist Runzes inszenatorischer Kniff, der Regisseur, ähnlich wie in dem Justizfilmklassiker Laßt mich leben! von Robert Wise, es offen lässt, ob Cioska tatsächlich die schreckliche Bluttat begangen hat oder ob er nicht vielmehr dieses „Geständnis“ deswegen ablegte, weil er befürchtete, sonst seinen einzigen Freund hier in Deutschland, seinen Landsmann Sigorski, zu verlieren. Dieser aber zerbricht nach seinem Verrat an dem Freund beinahe, durchläuft in dieser Konsequenz nach dem Tod Cioskas eine moralische Katharsis, wendet sich vom weltlichen Leben ab und beschließt, Priester zu werden. In einer Bombennacht des Zweiten Weltkrieges erzählt er seine Geschichte, während draußen ein Krieg tobt, der auch am Zerfall jener Moral entbrannte, deren Opfer er und Cioska geworden sind.
    Dieser Text basiert auf dem Artikel Verlorenes Leben aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Lizenz Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported (Kurzfassung). In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
    Deutscher Kinostart13.04.1975

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