Tu ich’s – Soll ich mir die Brüste entfernen lassen?
- D 2026 (45 Min.)
- Dokumentation
- Wissenschaft
Vanessa ist glücklich verheiratet, Mutter zweier Kinder und berufstätig. Ein Gentest verändert ihr Leben schlagartig. Die 35-Jährige ist Trägerin des BRCA2-Gens. Damit beträgt ihr Risiko an Brustkrebs zu erkranken rund 70 Prozent. Auch die Wahrscheinlichkeit für Eierstockkrebs liegt bei ihr weit über dem Durchschnitt. Vanessa hatte es geahnt: Vor wenigen Monaten erst starb ihre Mutter an den Spätfolgen ihrer Brustkrebserkrankung. Doch erst kurz vor ihrem Tod hatte sie erfahren, dass sie Trägerin eines Risikogens war. Erkrankt war Vanessas Mutter vor über zehn Jahren, mit 49 Jahren.
Plötzlich scheint für Vanessa alles bedroht: Wie soll sie mit dem Wissen um ihr erhöhtes Risiko leben? Hat sie die genetische Veranlagung an ihre Kinder vererbt? Wie verändert die Diagnose ihre Ehe, das Familienleben, die Zukunft? Und vor allem: Was soll sie nun tun? Die Doku von Sabine Pusch und Bernd Thomas begleitet Vanessa bei der Entscheidung, die ihr Leben massiv verändern wird: Soll sie sich vorsorglich ihre Brüste entfernen lassen, möglicherweise später auch die Eierstöcke? Das wäre ein massiver operativer Eingriff an jetzt noch gesundem Gewebe und für sie als Frau auch emotional schwierig.
Die Alternative wären engmaschige Früherkennungsuntersuchungen, damit eine mögliche Erkrankung rechtzeitig entdeckt und behandelt werden kann. Also ein Leben zwischen Hoffen und Bangen, im Hinterkopf stets die Angst. Beide Wege haben weitreichende körperliche und seelische Folgen. Während ihr Mann sie unterstützt und ihr Halt gibt, beginnt für Vanessa die Zeit der Suche, geprägt von Ungewissheit, medizinischen Fakten und prägenden persönlichen Begegnungen.
Eine wichtige Gesprächspartnerin wird die 37-jährige Michaela, die, wie Vanessa, BRCA2-Trägerin ist. Für Michaela ist der schlimmste Fall eingetreten: Ende 2025 entdeckten die Ärzte einen bösartigen Tumor. In Michaelas Familie ist erblicher Brustkrebs seit Generationen präsent, bereits ihre Urgroßmutter, Großmutter und Tante erkrankten daran. Vanessa lernt die ganze Familie kennen und bekommt so wichtige Einblicke, denn die Familienmitglieder gehen sehr unterschiedlich mit ihrem erhöhten Krebsrisiko um.
Besonders beeindruckt Vanessa auch die Offenheit der Berliner Aktivistin Matea. Sie entschied sich bereits mit Anfang 20 für die vorsorgliche Entfernung ihrer Brüste und später auch ihrer Eierstöcke. Matea steht für eine Generation junger Frauen, die offensiv mit ihrer genetischen Veranlagung umgehen. Auf Social Media dokumentiert sie ihre Entscheidung zur radikalen Vorsorge. Gemeinsam mit ihrer Freundin Jana Pfeffer, die ebenfalls von der Genmutation BRCA1 betroffen ist, spricht Matea auch in einem Podcast über ihre Mastektomie, Komplikationen nach der OP, über ihr Verhältnis zu ihren neuen Brüsten oder das Thema Kinderwunsch, um anderen Frauen Mut machen.
Vanessa trifft auch auf Anke, sie hat sich für die intensivierte Früherkennung entschieden. Damit senkt sie zwar nicht ihr Erkrankungsrisiko, doch durch die engmaschigen Vorsorgeuntersuchungen fühlt sich Anke sicher und lebt seit 20 Jahren gut damit. Mit jedem Gespräch und jedem Arzttermin wächst Vanessas Wissen. Gleichzeitig wird ihr bewusst, dass ihr niemand die Entscheidung abnehmen kann. (Text: BR)
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