Liebe auf Bewährung

    D 2004
    Melodram (90 Min.)
    Tochter Karoline (Mariella Ahrens, 2.v.li.) sowie Karl Mooskramer (Horst Krause) und auch seine Frau Sylvia (Ursela Monn, 2.v.re) wollen Juliane (Thekla Carola Wied) dazu überreden, ihr Segelboot zu verkaufen. – Bild: ARD Degeto/​Conny Klein
    Tochter Karoline (Mariella Ahrens, 2.v.li.) sowie Karl Mooskramer (Horst Krause) und auch seine Frau Sylvia (Ursela Monn, 2.v.re) wollen Juliane (Thekla Carola Wied) dazu überreden, ihr Segelboot zu verkaufen.

    Nach dem Tod ihres Mannes versinkt die gut situierte Witwe Juliane in einer großen Leere, aber die Chance als Leiterin der Gefängnisbibliothek zu arbeiten, gibt ihr neuen Lebensmut. Sie verliebt sich in den künstlerisch begabten Häftling Albert, der nach einer Brandstiftung, bei der seine Frau ums Leben kam, zu sieben Jahren hinter Gittern verurteilt wurde. Als Albert einen gemeinsamen Hafturlaub scheinbar zur Flucht nutzt, bricht für Juliane eine Welt zusammen. Eigentlich ist Juliane Willbrandt (Thekla Carola Wied), eine gut situierte, attraktive Witwe, zu beneiden. Sie bewohnt ein geräumiges, wunderschönes Haus, besitzt ein Segelboot und hat eine überaus vernünftige Tochter, Karoline (Mariella Ahrens), großgezogen. Trotzdem vermisst Juliane, die ihr Leben ganz selbstverständlich der Familie gewidmet hat, nach dem Tod ihres Mannes das Gefühl, gebraucht zu werden. Freunde und Verwandte, alle im Stress, können nicht verstehen, dass die Leere immer unerträglicher wird. Um etwas Nützliches zu tun, beschließt Juliane trotz erheblicher Bedenken ihrer Tochter, nach 20 Jahren in ihren Beruf als Bibliothekarin zurückzukehren. Allerdings hat der krisengeschüttelte Arbeitsmarkt nicht auf sie gewartet. Nur Gefängnisdirektor Schober (Michael Greiling) gibt ihr eine Chance, die verwaiste Anstaltsbibliothek wieder aufzubauen. Ein undankbarer Job, denn die schweren Jungs lesen, wenn überhaupt, nur etwas über Autos und Sport. Erst als Juliane ihren Schulkameraden, den Gossenpoeten Harry Rowohlt (Harry Rowohlt), für eine Knastlesung gewinnt, beginnen die Häftlinge ihre Bibliothek zu entdecken. Der künstlerisch begabte Albert Tieck (Helmut Griem) wird Julianes erster Stammleser. Die vorsichtige Annäherung an den sensiblen, zurückhaltenden Mann erleidet jedoch einen Rückschlag, als der Direktor ihr die ganze Wahrheit über Albert offenbart: Der Möbelschreiner hatte, um einen Versicherungsschaden vorzutäuschen, seine Fabrik in Brand gesteckt. Dass seine Frau dabei ums Leben kam, hat Albert jedoch vor Juliane verschwiegen, aus Angst, dass sie sich schockiert abwenden könnte. Trotz der Enttäuschung über diesen Vertrauensbruch geht Juliane erneut auf Albert zu, überredet sogar den Gefängnispsychologen (Hans Peter Hallwachs), ihm einen Tag Hafturlaub zu gewähren. Als Albert diese Möglichkeit scheinbar zur Flucht nutzt, bricht für Juliane zunächst die Welt zusammen. Erst als sie sein Geheimnis erfährt, bietet sich eine Möglichkeit, dem gebrochenen Mann zu helfen und ihrer Liebe den Weg zu ebnen. Mit sicherem Blick für Details und viel Gespür für Zwischentöne inszenierte der mehrfache Adolf-Grimme-Preisträger Bernd Böhlich diese Geschichte einer späten Liebe zwischen einer Witwe und einem Häftling nach einem eigenem Buch. Thekla Carola Wied und Helmut Griem überzeugen durch ihre nuancierte, unaufdringliche Darstellung. Auch die Nebenrollen sind glänzend besetzt mit Mariella Ahrens und Hans Peter Hallwachs. Der Übersetzer, Rezitator und Kolumnist Harry Rowohlt beantwortet während eines charmanten Gastauftritts die Frage, ob er etwas mit dem gleichnamigen Verlag zu tun hat. (Text: MDR)

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