J.S. Bach: Passionsoratorium BWV Anh.169 – Ensemble Il Gardellino
- D 2025 (91 Min.)
- Konzert
- Kunst & Kultur
- Musik
Das nur in Textform überlieferte Werk ist wahrscheinlich ein aufgegebenes Projekt des Thomaskantor, ein lyrisches, weniger dramatisches Werk, das die Anteilnahme am Leiden Jesu in den Mittelpunkt stellt – eine wichtige Botschaft auch für unsere heutige Zeit.
Johann Sebastian Bach: Passionsoratorium BWV Anhang 169 rekonstruiert und vervollständigt von Alexander Grychtolik. Die Musikgeschichte ist voller Rätsel und Überraschungen. Gibt es so etwas wie Bachs „Unvollendete“? Präziser: eine unvollendete Passion? Seit fast 150 Jahren rätselt die Bachforschung über ein verschollenes Passionsoratorium des Thomaskantors. Zumindest fand sich in der Forschungsbibliothek im Gothaer Schloss ein gedrucktes Libretto, das der Dichter Picander – einer von Bachs Lieblingslibrettisten – 1725 veröffentlicht hat. Sicher ist zumindest, dass Picander Ausschnitte dieses Textbuchs in die spätere Matthäus-Passion übernahm. Im Bach-Werke-Verzeichnis wird die „Unbekannte“ deswegen bislang als Werk ohne geklärte Zuschreibung aufgeführt.
Picanders Libretto ist beeinflusst von der berühmten Passionsdichtung „Der für die Sünde der Welt gemarterte und Sterbende Jesus“ des Barthold Heinrich Brockes. Händel hat diesen vertont, eine Abschrift fand man in Bachs Bibliothek. Diese scheint ihn zum vorliegenden Passionsoratorium inspiriert zu haben. Da der Bibeltext in einem solchen Werk nicht wörtlich, sondern in eine freie dichterische Form übertragen wird, könnte das Werk das Missfallen des Leipziger Stadtrates erregt haben und so der Textzensur zum Opfer gefallen sein.
Der Cembalist und Dirigent Alexander Grychtolik hat nun das Experiment gewagt, das Passionsoratorium zu rekonstruieren bzw. zu vervollständigen. Gemeinsam mit dem belgischen Ensemble „Il Gardellino“ hat er das Werk während der Thüringer Bachwochen 2025 in der Stadtkirche Schmalkalden zur Aufführung gebracht. (Text: arte.tv)
Eine Aufzeichnung aus der Stadtkirche St. Georg in Schmalkalden im Rahmen der Thüringer Bachwochen am 15. April 2025.
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