Die Spiegel-Affäre

    D 2014 (Die Spiegel Affäre, 100 Min.)
    • Thriller
    Hans Detlev Becker (Johann von Bülow, re.) und Claus Jacobi (Franz Dinda, li.) – Bild: BR /​ © Wiedemann & Berg Film/​Roland Suso Richter
    Hans Detlev Becker (Johann von Bülow, re.) und Claus Jacobi (Franz Dinda, li.)

    „Die Spiegel-Affäre“ vom Oktober 1962 ist ein Politthriller auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges. Die Welt stand am Rand eines Atomkrieges, strategisches Zentrum wäre Deutschland gewesen. Vor diesem bedrohlichen Hintergrund fechten zwei außergewöhnliche Alpha-Männer eine beinahe archaisch anmutende Fehde aus: der Verteidigungsminister Franz Josef Strauß und der „Spiegel“-Gründer und Herausgeber Rudolf Augstein. Die Haltungen der beiden Männer 17 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges sind diametral entgegengesetzt. Wo für Strauß die Devise gilt „lieber tot als rot“, lautet Augsteins Maxime „weg mit den Verkrustungen des Obrigkeitsstaates“. Strauß will den drohenden Atomkrieg durch ein „Gleichgewicht des Schreckens“ verhindern. Das allein würde „die roten Socken“ in Schach halten.
    Augstein ist überzeugt, dass die Politik des Wettrüstens früher oder später unweigerlich in die Katastrophe führen muss. Dabei sind beide sich in einem Punkt einig: Nie wieder Krieg! Nach einem denkwürdigen Treffen der beiden Männer in Augsteins Haus 1957 gibt Augstein die Parole aus: „Dieser Mann ist gefährlich. Er darf niemals Kanzler werden.“ Der barocke Macht- und Instinktmensch Strauß, ein ebenso brillanter wie taktisch versierter Politiker, nutzt jedes Mittel zur Durchsetzung seiner Politik: Westdeutschland muss sich, nach der Erfahrung vom Mauerbau 1961, aus der Abhängigkeit der USA lösen. Ein Mittel dazu: Er will die Bundeswehr im europäischen Verbund und der NATO zur Atommacht ausbauen. Die Nachfolge des Altbundeskanzlers Adenauer dabei hat er klar im Blick.
    Seine bajuwarischen Amigo-Geschäfte bieten Augstein eine hochwillkommene Angriffsfläche. Er greift Strauß bei jeder sich bietenden und nicht bietenden Gelegenheit an: von der Hahlbohm-Affäre über den Lockheed-Skandal bis hin zur FIBAG-Affäre, der „Spiegel“ ist immer der erste Angreifer. Verbissen und hartnäckig versucht Augstein, dem Minister Korruption nachzuweisen. Dabei vergreift er sich oftmals im Ton, während „Spiegel“-Redakteur Conrad Ahlers, gewissenhaft und knochentrocken, systematisch daran arbeitet, die Politik von Strauß zu demontieren. Der „Kalte Krieg im Kleinen“ zwischen Strauß und Augstein kulminiert im Herbst 1962, zeitgleich zur Kuba-Krise. Während sich das Schicksal der Welt auf einer Karibikinsel entscheidet, erscheint Ahlers über Jahre recherchierter Artikel „Bedingt abwehrbereit“ am 8. Oktober 1962 im „Spiegel“.
    Er weist anhand des NATO-Manövers „Fallex 62“ nach, dass die Bundeswehr nicht in der Lage ist, die Bundesrepublik Deutschland konventionell vor einem Angriff des Ostens zu verteidigen. Die Hintergrundinformationen dazu kamen zum Teil aus Kreisen der Bundeswehr: Eine Gruppe von höheren Offizieren war gegen das Konzept der atomaren Aufrüstung von Deutschland und Europa. Sie befürchteten einen Verlust der Macht, denn Strauß wurde nicht müde, durch seinen Pressereferenten Gerd Schmückle zu verbreiten, dass die Panzerschlachten des Zweiten Weltkrieges endgültig vorbei seien – und der Frieden nur durch ein atomares Gleichgewicht zu sichern sei.
    „Die Spiegel-Affäre“ ist nicht nur ein Film über einen Meilenstein in der Demokratisierung der jungen Bundesrepublik, sondern vor allem über Pressefreiheit sowie über Moral und Ethik in Politik und Wirtschaft: Vor dem Hintergrund von NSA, Whistleblowern und Wikileaks ist diese Geschichte von damals eine von heute. (Text: 3sat)

    Deutsche TV-Premiere02.05.2014arteDeutscher Kinostart02.05.2014

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    23:10–00:50
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    Mi 07.05.2014
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    Fr 02.05.2014
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