Die Architekten

    DDR 1990
    Gesellschaft/Drama (107 Min.)
    MDR Fernsehen DIE ARCHITEKTEN, am Montag (22.06.15) um 23:40 Uhr. Mit fast vierzig darf der Berliner Architekt Daniel Brenner (Kurt Naumann) sein erstes Projekt verwirklichen. Doch er scheitert am DDR-Dogmatismus. – Bild: MDR/Drefa
    MDR Fernsehen DIE ARCHITEKTEN, am Montag (22.06.15) um 23:40 Uhr. Mit fast vierzig darf der Berliner Architekt Daniel Brenner (Kurt Naumann) sein erstes Projekt verwirklichen. Doch er scheitert am DDR-Dogmatismus. – Bild: MDR/Drefa
    Der Architekt Daniel Brenner ist fast vierzig, als er seinen ersten großen Auftrag erhält: Er soll das kulturelle Zentrum eines Berliner Neubauviertels projektieren und bauen. Mit einer Gruppe Gleichgesinnter will er seine Träume von lebensnaher Architektur verwirklichen. Doch im Laufe der Zeit werden Projekt wie Architekten immer mehr zurechtgestutzt. Daniel Brenner (Kurt Naumann) ist Ende Dreißig. Der engagierte Architekt projektiert Busstationen und Trafohäuschen, beteiligt sich erfolgreich an Wettbewerben, aber selbst gebaut hat er noch nichts. Fürsprache auf höchster Ebene verhilft ihm zu einem lukrativen Auftrag: Daniel soll für eine riesige Berliner Trabantenstadt ein kulturelles Zentrum entwerfen. Er nimmt das 80-Millionen-Projekt ohne Bedenkzeit an. Dies ist seine Chance! Nur eine Bedingung stellt er: Die Mitarbeiter will er selbst bestimmen. So macht sich Daniel auf die Suche nach ehemaligen Studienfreunden. Nicht alle kann er überreden. Einer beispielsweise arbeitet inzwischen als Mitropa-Büfettier. Ein anderer ist Schäfer geworden. Ein Dritter lebt im Westen. Aber fünf ehemalige Kommilitonen und zwei junge Absolventinnen finden sich zusammen wie die Glorreichen Sieben. Ideen haben sie mehr als genug. Auf ihrem Bauland soll alles entstehen, was der neuen Stadt noch fehlt: Cafés, Geschäfte, Kino, Spielplätze, Promenaden mit viel Grün. Verbissen kämpfen sie darum, den Menschen durch eine Alternative zur Monotonie des genormten Bauens eine Heimat zu schaffen. Doch täglich verlassen Tausende die DDR gen Westen. Am Ende auch Daniels Frau Wanda (Rita Feldmeier) und Tochter. Sein Kollektiv bricht auseinander. Er selbst gibt nicht auf. Aber er kann nicht verhindern, dass sich sein Projekt durch Bevormundung und ökonomische Zwänge bis zur Unkenntlichkeit verändert. Der Baubeginn markiert das Ende von Daniels Ideen und Hoffnungen. Es ist die Zeit unmittelbar vor dem Herbst 1989. Peter Kahanes „Die Architekten“ ist einer der letzten DEFA-Filme, das Szenarium wurde noch vor der Wende bewilligt. Er „war der erste ‚tabulose‘ DEFA-Film. Die bittere Kritik, die er übte, kam zu spät und doch war er der wohl konsequenteste und wichtigste Wende-Film der DEFA“ (Das große Lexikon der DEFA-Spielfilme). Er übte Kritik an den verfilzten und verkrusteten Strukturen der DDR, die ihren Bürgern nicht die Möglichkeit ließ, ihren eigenen Weg zu finden. Die Berufsgruppe der Architekten ist dabei auch als Metapher für alle gemeint, die etwas Neues schaffen wollten, darin eingeschlossen neue Lebensräume und neue Lebensmöglichkeiten. Dies trifft auch auf die Generation der zur Wendezeit 40-Jährigen besonders zu. Sie wollten den Sozialismus menschlicher machen, während sich die folgende Generation schon konsequenter abgewendet hat. Kahane und sein Kameramann Andreas Köfer fanden dafür Bilder beklemmender Trauer und Verzweiflung. Und so schrieb auch Kritiker Heinz Kersten nach der Premiere am 22.06.1990: „Noch einmal wird DDR-Atmosphäre in einem DEFA-Film ganz echt auf die Leinwand gebracht: Die kleine Nischenfreundlichkeit dessen, was man heute gern Solidargemeinschaft nennt, und die große Tristesse eines lähmenden Gefühls der Vergeblichkeit“. (Text: mdr)
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