Cyrano de Bergerac
- F / I 1923 (113 Min.)
- Drama
- Liebesfilm
- Literaturverfilmung
- Stummfilm
Cyrano, ein gefeierter französischer Held, Dichter und Soldat, genießt wegen seines Fechtkönnens großen Respekt, lebt jedoch wegen seiner ausgeprägten Scham über seine große Nase zurückgezogen. Überzeugt, in Liebesdingen keine Chance zu haben, verliebt er sich in Roxanne und wirbt heimlich und stellvertretend um sie. Dabei wächst zwischen beiden eine besondere Verbindung, bis Roxanne schließlich seine wahren Gefühle erkennt.
Drehbuch nach dem Drama von Edmond Rostand (1897)
Augusto Genina schuf mit seinem „Cyrano“ einen Farbfilm nach dem 1904 entwickelten Pathé-Color-Verfahren. Der in Schwarz-Weiß gedrehte Film wurde Bild für Bild auf eine polierte Glasoberfläche projiziert. Die Farben, maximal vier pro Bild, wurden nacheinander per Pinsel oder Stempel mit Hilfe winziger Schablonen aufgetragen, die mit einem eigens entwickelten mechanischen Gerät, dem Pantographen, ausgeschnitten wurden. Mit einem der Serigraphie ähnlichen Verfahren wurden die Farben dann Bild für Bild auf ein Schwarz-Weiß-Positiv übertragen, was die Verwendung verschiedener Farbpaletten erlaubte. Der ganze Prozess dauerte drei Jahre, sodass der 1922 fertig gestellte Film erst 1925 mit nur wenigen Kopien gezeigt werden konnte und so ungerechterweise in Vergessenheit geriet. Die Kopie hat französische Zwischentitel (deutsch untertitelt), die so getreu wie möglich die Alexandriner der Vorlage wiedergeben. Die Filmmusik wurde von dem aus San Francisco stammenden Filmemacher und Komponisten Kurt Kuenne („Remembrances“, Kurzfilm 1994; „Scrapbook“, Spielfilm 1998) geschrieben.
Der italienische Regisseur Augusto Genina (1892–1957) arbeitete von 1913 bis 1927 in Italien. Dann ging er nach Deutschland, wo er fünf Filme drehte, später nach Paris (bis 1934). Hier entstand 1930 „Prix de beauté“, der – wohl auch wegen der Darstellung von Louise Brooks – als einer der Höhepunkte seines Schaffens gilt. Nach abermaligen Aufenthalten in Deutschland und Österreich kam er auf Einladung Mussolinis nach Italien zurück und drehte Propagandaspielfilme (Ausnahme: „Naples au baiser de feu“, Frankreich 1937). Nach dem Krieg nahm er 1949 seine Filmarbeit wieder auf, schuf aber bis zu seinem Tod 1957 keine bedeutenden Filme mehr.
„Cyrano de Bergerac“ auf der Leinwand: Nur fünf Jahre nach Erfindung des Films gab es schon die erste Adaptation des Dramas durch Clément Maurice mit Coquelin dem Älteren, der die Rolle als erster überhaupt verkörpert hatte. In Italien verfilmten Ernesto Maria Pasqual (1909) und Albert Capellani (1910) „ihren“ Cyrano noch vor Augusto Genina, der die Rolle mit dem Franzosen Pierre Magnier besetzte. Bis heute wurde Rostands Drama 13 Mal für die Leinwand adaptiert, zum letzten Mal 1990 durch Jean-Paul Rappeneau mit Gérard Depardieu in der Hauptrolle, der dafür mit einem Oscar ausgezeichnet wurde. (Text: arte)
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