Folge 2

    • 2. Die Wagners

      Folge 2
      Karl Marx empfahl diese „Familienmischpoke mit ihren patriarchalischen Grundsätzen“ als Stoff für eine Offenbach-Operette. Hitler betrachtete Richard Wagner als seinen einzigen Lehrmeister; George Bernard Shaw sah in Wagner den steckbrieflich gesuchten Sympathisanten der „sozialistischen Seite der Revolution“ von 1848, den mit dem „berüchtigten“ Anarchisten Bakunin Verbündeten; Charles Baudelaire entrichtete an ihn einen „Schrei der Dankbarkeit“, für den „höchsten musikalischen Genuss, den er empfunden habe“; Woody Allen dagegen meint, immer, wenn er Wagner hört, in Polen einmarschieren zu müssen. Seit den ersten Uraufführungen entzünden sich an Richard Wagner (1813 – 1883) die Gemüter. Wagner polarisiert – auch heute noch. Emphatische Zustimmung oder vehemente Ablehnung. Gleichgültig jedenfalls lässt sein Werk niemanden.
      Neben Goethes „Faust“ gilt sein „Ring des Nibelungen“ als Inbegriff des Deutschen. Ein Gesamtkunstwerk mit eigenem Aufführungsort: dem „grünen Hügel“ in Bayreuth. „Das Wort Familienbande hat einen Beigeschmack von Wahrheit“, lautet ein Aphorismus von Karl Kraus. So eng, wüst und verworren wie die Verstrickungen seiner mythologischen Figuren sind auch die der Familie Richard Wagners. Über vier Generationen hinweg rankt sich der Name Wagner um die fast schon religiös überhöhte Institution der Bayreuther Festspiele. Allen Familienmitgliedern ist ein leidenschaftliches Engagement für das Werk Richard Wagners eigen, dem alles andere untergeordnet wird. Die Festspiele bestimmen den Rhythmus ihres Lebens.
      Doch hinter
      den Mauern Wahnfrieds, dem Haus, in dem Richard Wagners Sehnsüchte, sein „Wähnen“, Frieden finden sollte, regieren Intrigen und Eifersüchteleien. Nach der langen Ära der Gralshüterin Cosima, der Witwe von Richard Wagner, und der Hitler-Freundin Winifred, kamen die Wagner-Enkel Wolfgang und Wieland zum Zuge. Seit dem Tod seines Bruders im Jahre 1966 führt Wolfgang Wagner die Bayreuther Festspiele im Alleingang von Erfolg zu Erfolg. Die Nachfrage nach Karten ist zehnmal so groß wie das Angebot. Kann da das Konzept der heutigen Leitung so falsch sein? Nach Meinung der jungen Wagners erstarren die Festspiele in Routine. Sie verlangen ein neues Nachdenken über Wagner und einen „einheitlichen Kunstwillen für Bayreuth“ (Nike Wagner). Heute buhlen wieder die Frauen des Wagner-Clans um die Vorherrschaft auf dem grünen Hügel.
      Gudrun, die Frau des Noch-Festspielchefs Wolfgang Wagner, seine Tochter aus erster Ehe, Eva Wagner-Pasquier, sowie seine Nichte Nike, die Tochter seines Bruders Wieland. Alle drei kommen für die Nachfolge in Bayreuth infrage. Richard Wagners Urenkelin Nike nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es um ihre Familie geht. Die eigene Familienbande empfindet sie als Fesseln eines „vielköpfigen-tausendfüßigen Ungeheuers“, eine „eigensüchtige, erbedünkelige, zinkennasige, kinnlastige Masse“. Otto Jägersberg versucht in seiner Dokumentation über Wagner-Mythos und Wagner-Clan, auch den „Nicht-Wagnerianer“ in die komplizierten Familienzusammenhänge und das Geheimnis des „grünen Hügels“ einzuweihen. Eine Familiengeschichte, in der sich bis auf den heutigen Tag Höhen und Tiefen der deutschen Geschichte spiegeln. (Text: Das Erste)
      Deutsche TV-PremiereMi 12.07.2000Das Erste

    Sendetermine

    Fr 10.06.2005
    01:25–02:15
    01:25–
    Do 09.06.2005
    14:10–15:00
    14:10–
    Do 09.06.2005
    06:25–07:15
    06:25–
    Mi 08.06.2005
    22:25–23:15
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    Mo 29.12.2003
    14:10–14:55
    14:10–
    Mo 29.12.2003
    01:25–02:15
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    Mi 08.08.2001
    21:05–21:50
    21:05–
    Do 12.04.2001
    08:15–09:00
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    Mo 09.04.2001
    19:15–20:00
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    Sa 20.01.2001
    21:00–21:45
    21:00–
    Do 13.07.2000
    04:00–04:45
    04:00–
    Mi 12.07.2000
    23:00–23:45
    23:00–
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