Dokumentation in 2 Teilen
1. Erz um jeden Preis
Folge 1 (45 Min.)Kurz nach Kriegsende 1945 startet im Erzgebirge eines der größten Geheimprojekte der Nachkriegszeit: Unter dem Tarnnamen „Wismut“ graben Arbeiter nach Uran für Stalins Atombombe. Sachsen und Thüringen sind im Kalten Krieg anfangs die wichtigsten Uran-Lieferanten Moskaus. Zehntausende schuften unter strenger Geheimhaltung und Lebensgefahr. Viele kommen ums Leben – durch Unfälle und die Langzeitfolgen radioaktiver Strahlung. 1945 verändert die erste Atombombenexplosion das Machtgefüge der Welt für immer.Um im atomaren Wettlauf mit den USA mitzuhalten, benötigt die Sowjetunion Tausende Tonnen Uran. Mit Hochdruck lässt Stalin in ganz Osteuropa danach suchen. In Sachsen werden seine Geologen fündig, die Geigerzähler schlagen aus. In alten Silberminen schlummern riesige Uranvorkommen. „Wismut“ – hinter diesem Namen verbirgt sich ab 1947 eines der geheimsten Industrieprojekte der Nachkriegszeit. Dort fördern sie das Uran für das sowjetische Atomprogramm. Am 29. August 1949 ist es so weit: Die Sowjetunion zündet ihre erste Atombombe. Das Uran aus der „Wismut“ ist hierfür ein entscheidender Faktor. Das Erzgebirge wird zum Hotspot des Kalten Krieges. Zehntausende Bergarbeiter werden in die Region gebracht, um nach Uran zu graben. Doch die Bedingungen sind lebensgefährlich: Einstürze und Unfälle sowie die Belastung mit Staub, Radongas und radioaktiver Strahlung gehören zum Alltag. Rund um Johanngeorgenstadt, Schneeberg und Schlema entstehen neue Schächte, Siedlungen und Sperrzonen. Zeitweise beschäftigt die „Wismut“ mehr als 200.000 Menschen und steigt auf zum weltweit größten Uranbergbaubetrieb. Trotzdem ist es ein Verlustgeschäft, denn was die DDR an die Sowjetunion liefert, sind Reparationen für den verlorenen Krieg. Die „Wismut“ ist in der DDR topsecret. Sowjetsoldaten sichern die Anlagen. Wer unter Spionageverdacht gerät, muss um sein Leben fürchten. Allein zwischen 1951 und 1953, so der Historiker Rainer Karlsch, werden rund 70 „Wismut“-Kumpel in der Sowjetunion hingerichtet. Gleichzeitig lockt das Unternehmen mit hohen Löhnen und Privilegien. Für viele Familien bedeutet die Arbeit einen Ausweg aus Not und Hunger der Nachkriegsjahre. Es ist der Beginn einer ambivalenten Geschichte zwischen Hoffnung, Aufstieg und Leid. Die Folgen des Raubbaus werden erst Jahre später deutlich. Uran aus dem Erzgebirge macht die Sowjetunion zur Atommacht. Doch der Preis für die Jagd nach dem radioaktiven Stoff ist hoch: Bis heute sterben Bergleute an Krebs, ganze Dörfer sind verschwunden, Landschaften verwüstet. Die einzigartige Geschichte der „Wismut“ wirkt bis heute nach. (Text: ZDF) Deutsche TV-Premiere Sa. 19.09.2026 ZDFinfo 2. Strahlende Gefahr
Folge 2 (45 Min.)Bis 1990 liefert die DDR Uran für Moskaus Atombomben – mit drastischen Folgen für Mensch und Umwelt: Dörfer verschwinden, Landschaften werden radioaktiv verseucht, Bergleute erkranken. Die „Wismut“ im Erzgebirge ist zeitweise der größte Uranbergbaubetrieb der Welt. Die Jagd nach dem radioaktiven Metall bezahlen viele Kumpel mit dem Leben. Die Sanierung der strahlenden Altlasten kostet bis heute Milliarden. Eine Mammutaufgabe für Generationen. Im atomaren Rüstungswettlauf mit den USA fordert die Sowjetunion von der DDR immer mehr Uran.Bis 1990 werden mehr als 216.000 Tonnen Uran geliefert. Das Uran aus dem Erzgebirge ist unverzichtbar für Moskaus Atomprogramm. Um den Uran-Hunger zu stillen, wird der Bergbau auf Thüringen ausgeweitet. Die Konsequenzen für die Region sind drastisch: Häuser stürzen ein, ganze Dörfer werden abgerissen. Radioaktive Abfälle werden in offene Gruben gekippt, chemische Laugen in Flüsse geleitet. Dramatisch ist es im Dorf Culmitzsch. 1962 bricht dort nachts der Damm eines riesigen Schlammbeckens, in dem Abfälle aus der Uranaufbereitung lagern. Eine radioaktive Flut ergießt sich Richtung Dorf, kontaminiert das Erdreich und den Fluss. Die DDR-Führung lässt Culmitzsch räumen und später abreißen. Was bleibt, ist eine Sperrzone. Die Umweltzerstörung ist nicht zu übersehen – offiziell ist sie tabu. 1987 filmt der Bürgerrechtler Michael Beleites heimlich die radioaktive Verseuchung. Seine Recherchen geraten in den Westen und er ins Visier der Staatssicherheit. Am schlimmsten trifft es die Bergleute. Sie arbeiten unter Tage mit radioaktivem Erz, atmen uranhaltigen Staub und Radongas ein. Der Uranbergbau fordert Tausende Opfer. Viele Kumpel erkranken, manche sterben. Die Diagnosen ähneln sich: Staublunge, Gelenkschäden, Lungenkrebs. Das Lungenkrebsrisiko unter Uranbergleuten sei etwa doppelt so hoch wie in der Allgemeinbevölkerung, sagt die Epidemiologin Michaela Kreuzer vom Bundesamt für Strahlenschutz. Doch der Nachweis eines Zusammenhangs ist schwierig. Tausende Kumpel kämpfen bis heute um die Anerkennung ihrer Erkrankungen als Berufskrankheit. Erst nach dem Mauerfall endet der Uranabbau im Erzgebirge. Die Sowjetunion zieht sich zurück und hinterlässt eine geschundene Landschaft. Die Sanierung der gigantischen Altlasten ist ein Milliardenprojekt, das die Region noch für Jahrzehnte prägen wird. Uran aus dem Erzgebirge macht die Sowjetunion zur Atommacht. Doch der Preis für die Jagd nach dem radioaktiven Stoff ist hoch: Bis heute sterben Bergleute an Krebs, ganze Dörfer sind verschwunden, Landschaften verwüstet. Die einzigartige Geschichte der „Wismut“ wirkt bis heute nach. (Text: ZDF) Deutsche TV-Premiere Sa. 19.09.2026 ZDFinfo
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