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    Folge 6

    • 6. This Is Hardcore

      Folge 6
      Janet Jacksons gefallenes Oberteil war ein geplantes „Nipplegate“, Rammsteins „Bück-Dich“-Gummipenis-Show, Madonnas Zungenkuss mit Britney Spears und t.A.T.u.s Lesbenshow – alles kalkulierte Provokationen und billige Marketingtricks. Der erfahrene Popkonsument ist nicht mehr so leicht zu schocken. Er hat die Plattencover von Jane’s Addiction, Alice Coopers Frauenopfer auf dem Schafott und die Hardcore-Videos und Performances der Industrial-Zeit hinter sich gebracht. „Sex ‚n‘ Pop“ liefert eine Chronik der Skandale und durchlebt den Prozess der Meinungsbildung.
      Wann ist ein Tabubruch wirklich moralisch verwerflich und wann beinhaltet er künstlerische Aussagen, bringt Erkenntnis oder kommentiert gesellschaftliche Entwicklungen? Wenn Popkultur Jugendkultur ist, wie jugendfrei muss sie dann sein? Immer wieder holen Jugendschutz und Zensurbehörden einzelne Veröffentlichungen vom Markt. Gleichzeitig verbinden sich schwarze Hiphop-Stars unverblümt mit der Pornoindustrie. Vor allem in den USA treten diese Widersprüche schon seit Jahrzehnten auf.
      Wenn Prince jetzt in seiner Heimatgemeinde in Minneapolis den „Wachturm“ der Zeugen Jehovas verbreitet, fragt man sich ausgerechnet der, der sich auf der Bühne stöhnend auf dem Piano wälzte und Fellatio am Mikrofon trieb? Tipper Gore jedenfalls, Gattin des ehemaligen amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Al Gore, rief nach dem Studium des Booklets der Prince-CD „Dirty Mind“ jene
      amerikanische Zensurinitiative ins Leben, die Platten mit warnenden „Explicit Content“-Stickern bekleben lässt. „Sex ‚n‘ Pop“ lässt Grenzgänger und Moralisten zu Wort kommen.
      Hollywoods Soundtrack-Superstar Graeme Revell („Lara Croft“, „From Dusk till Dawn“, „The Crow“) kommentiert, warum er in den 80er Jahren mit seiner Formation SPK in Gummimaske zu Nekrophilie- und Autopsie-Videos auftrat und warum er Rammstein doch eher für „sowas wie Kiss“ hält. Pamela des Barres, Stargroupie aus dem Umfeld des amerikanischen Bürgerschrecks Frank Zappa, berichtet tabulos über die Sexwelt backstage. „Sex ‚n‘ Pop“ diskutiert die pornografische Bühnenshow der Frauenmetalband „Rockbitch“, die tabulose Selbstinszenierung des französischen Superstars Myléne Farmer, den sanften Lustmord bei Nick Cave, die schonungslose Selbstzerfleischung der Nine Inch Nails und die provozierenden Wortspiele der Ärzte.
      Der Film analysiert, was die schockierenden Sex-und-Gewalt-Projekte des New Yorker Undergrounds um Richard Kern, Lydia Lunch und Jim Foetus letztlich bewirken sollten und beschreibt die konservativen Rückentwicklungen im Mutterland des Rock ‚n‘ Roll. Was hat die Sexualisierung der Popkultur eingebracht? Schöne und aufreizende Bilder, aber auch den Trash und die totale Rebellion. In einem BBC-TV-Studio machte Jim Morrison einst vor laufenden Kameras die Hose auf, um den Senderchefs zu zeigen, was er von der Zensur seiner Texte hielt. So könnte man auch sagen, dass mit „The End“ alles anfing. (Text: arte)
      Deutsche TV-PremiereDo 19.08.2004arte

    Sendetermine

    Do 19.08.2004
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