Das Wohnzimmer der Wiener – 25 Jahre MuseumsQuartier / Krähwinkel der Kultur – oder warum das MQ heute so aussieht, wie es aussieht / 25 Jahre Kultur für alle / Neue Pläne für das mumok
45 Min.

Bild: ORF / Günther Pichlkostner
Das Wohnzimmer der Wiener – 25 Jahre MuseumsQuartier: Wäre die Entscheidung rund um die Entstehung des Wiener MuseumsQuartiers doch genauso einfach gewesen, wie das kürzlich durchgeführte Voting zur neuen Farbgestaltung der ikonischen Enzis, jener frei zugänglichen ikonischen MQ-Outdoor-Sitzmöbel: Schließlich wurde jahrzehntelange über die Nutzung des brachliegenden Areals vis-à-vis von Kunsthistorischem und Naturhistorischem Museum debattiert. Einst k. u. k. Pferdestall, Messehalle mit NS-Propaganda-Schauen, Theaterbühne samt Partyhöhle startete die unendliche Geschichte des MQ als Gelände ohne Eigenschaften.
Jahrzehntelang suchte man eine adäquate Nutzung, um den alten Fischer-von-Erlach-Barockbau aus seinem Dornröschenschlaf zu wecken. Ob ambitioniertes „Austro- Pompidou-Center“, stylishe Shopping-City oder wuseliger Wurstelprater – die Politik hatte immer ein für Österreich so typisches „Jein“ parat. 25 Jahre nach der feierlichen Eröffnung hat sich das Wiener MQ, das als Museumsmonster oder Monument des Konsenses der Architekten Ortner & Ortner für Hickhack sorgte, mittlerweile als größtes Kulturareal Europas vom Krisenprojekt zum Publikumsmagneten entwickelt.
Der „kulturMONTAG“ wirft mit interessanten Gästen einen Blick zurück und nach vorn. Krähwinkel der Kultur – oder warum das MQ heute so aussieht, wie es aussieht: Bevor das neue Wiener Kulturflaggschiff nach 20 Jahren Diskussionsphase, zehn Jahren Planung und zwei Jahren Ausführung am 29. Juni 2001 unter der Leitung des ersten MQ-Direktors Wolfgang Waldner eröffnen konnte, mischten Politiker aller Couleurs, Boulevardmedien und einflussreiche Bürger erfolgreich mit.
Die Pläne des österreichischen Architektenduos Laurids und Manfred Ortner, das in den ehemaligen Hofstallungen mit seinen gediegenen Barockhöfen ein modernes Museumsareal mit einer Reihe markanter zeitgenössischer Bauten errichtet hat, war schon im Vorfeld hochumstritten. Die Mobilmachung gegen das Projekt war so erfolgreich, dass Ortner & Ortner die Pläne architektonisch „entschärfen“ mussten. Vor allem konnten sie das geplante Wahrzeichen des Quartiers, das als Leseturm bezeichnete schmale und 67 Meter hohe Hochhaus, nicht realisieren.
Kein Quäntchen Mut zeigte die Politik im Streit um die geplante Landmark des Areals, der Leseturm fiel schließlich zahllosen Bürgerinitiativen und deren prominenten Unterstützern zum Opfer. Unter dem Titel „Vison & Widerstand“ widmet sich der renommierte Kurator Andreas Nierhaus im „Freiraum“ im MQ nun dieser unendlichen Geschichte von ursprünglichen Entwürfen, Querelen und Zukunftsideen. Dazu begrüßt Martin Traxl Nierhaus und Architekt Laurids Ortner zum Gespräch auf die Libelle – die jüngste architektonische Erweiterung des MQ-Komplexes.
25 Jahre Kultur für alle: Eine ganze Generation ist auf dem rund 115.000 Quadratmeter großen Wiener MQ-Areal groß geworden, sozusagen zwischen A wie Architekturzentrum und Z wie Zoom Kindermuseum. In der kulturellen „Oase der Stadt“ kommen Menschen aller Altersgruppen und Erfahrungswelten zusammen. „Generation MQ“ heißt auch das Motto, das die kürzliche verstorbene Starfotografin Elfie Semotan mit einem ihrer letzten Projekte für das 25-Jahr-Jubiläum in Szene setzen konnte.
25 Persönlichkeiten hat sie dafür porträtiert, darunter den ehemaligen Kunsthallen-Chef Gerald Matt, Künstler Peter Kogler sowie Museumsvorstand Saskia Leopold, deren Großvater mit seiner legendären Sammlung für die heute mit jährlich 350.000 Gästen meistbesuchte museale Einrichtung im MQ mitverantwortlich ist. Rund 60 Kulturinstitutionen sorgen mit Ausstellungen und Abenteuern, Retro-Sportmöglichkeiten wie Boccia oder Minigolf – auf künstlerisch gestalteten Bahnen versteht sich – , lukullischen Genüssen vom Brunch bis zur Cocktail-Time, Open-Air-Literaturfestivals oder Bühnenspektakeln für satte fünf Millionen Besucher:innen pro Jahr.
Gemeinsam mit dem ORF-Kultursender Ö1 läutet das MQ seine Jubiläumswoche mit Konzerten und Ausstellungsbesuchen ein. Neue Pläne für das mumok: Als jüngstes Mitglied der MQ-Community reiht sich Fatima Hellberg, die neue Direktorin des mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien – ein, die den mehr als 12. 000 Exponate beherbergenden Kunsttanker für die Eröffnungsausstellung „Terminal Piece“ samt einer Intervention namens „ Figure oft he Child“ der georgischen Künstlerin Tolia Astakhishvili rüstet.
Die Sammlung von Klassischer Moderne, über Pop-Art, Wiener Aktionismus bis hin zu Zeitgenössischem will die schwedische Kuratorin und Kunsthistorikerin gleich zu Amtsantritt stärker in den Fokus rücken. Bis Ende September lockt sie das zuletzt rückläufige Publikum bei freiem Eintritt ins Museum, dessen Eingangsbereich die renommierte Bühnenbildnerin Anna Viebrock gestaltet. Welche Pläne sie für das mumok hat, wie sie das Haus für das Publikum weiter öffnen will und wohin die Reise gehen soll spricht sie im „kulturMONTAG“ mit Martin Traxl. (Text: ORF)
Jahrzehntelang suchte man eine adäquate Nutzung, um den alten Fischer-von-Erlach-Barockbau aus seinem Dornröschenschlaf zu wecken. Ob ambitioniertes „Austro- Pompidou-Center“, stylishe Shopping-City oder wuseliger Wurstelprater – die Politik hatte immer ein für Österreich so typisches „Jein“ parat. 25 Jahre nach der feierlichen Eröffnung hat sich das Wiener MQ, das als Museumsmonster oder Monument des Konsenses der Architekten Ortner & Ortner für Hickhack sorgte, mittlerweile als größtes Kulturareal Europas vom Krisenprojekt zum Publikumsmagneten entwickelt.
Der „kulturMONTAG“ wirft mit interessanten Gästen einen Blick zurück und nach vorn. Krähwinkel der Kultur – oder warum das MQ heute so aussieht, wie es aussieht: Bevor das neue Wiener Kulturflaggschiff nach 20 Jahren Diskussionsphase, zehn Jahren Planung und zwei Jahren Ausführung am 29. Juni 2001 unter der Leitung des ersten MQ-Direktors Wolfgang Waldner eröffnen konnte, mischten Politiker aller Couleurs, Boulevardmedien und einflussreiche Bürger erfolgreich mit.
Die Pläne des österreichischen Architektenduos Laurids und Manfred Ortner, das in den ehemaligen Hofstallungen mit seinen gediegenen Barockhöfen ein modernes Museumsareal mit einer Reihe markanter zeitgenössischer Bauten errichtet hat, war schon im Vorfeld hochumstritten. Die Mobilmachung gegen das Projekt war so erfolgreich, dass Ortner & Ortner die Pläne architektonisch „entschärfen“ mussten. Vor allem konnten sie das geplante Wahrzeichen des Quartiers, das als Leseturm bezeichnete schmale und 67 Meter hohe Hochhaus, nicht realisieren.
Kein Quäntchen Mut zeigte die Politik im Streit um die geplante Landmark des Areals, der Leseturm fiel schließlich zahllosen Bürgerinitiativen und deren prominenten Unterstützern zum Opfer. Unter dem Titel „Vison & Widerstand“ widmet sich der renommierte Kurator Andreas Nierhaus im „Freiraum“ im MQ nun dieser unendlichen Geschichte von ursprünglichen Entwürfen, Querelen und Zukunftsideen. Dazu begrüßt Martin Traxl Nierhaus und Architekt Laurids Ortner zum Gespräch auf die Libelle – die jüngste architektonische Erweiterung des MQ-Komplexes.
25 Jahre Kultur für alle: Eine ganze Generation ist auf dem rund 115.000 Quadratmeter großen Wiener MQ-Areal groß geworden, sozusagen zwischen A wie Architekturzentrum und Z wie Zoom Kindermuseum. In der kulturellen „Oase der Stadt“ kommen Menschen aller Altersgruppen und Erfahrungswelten zusammen. „Generation MQ“ heißt auch das Motto, das die kürzliche verstorbene Starfotografin Elfie Semotan mit einem ihrer letzten Projekte für das 25-Jahr-Jubiläum in Szene setzen konnte.
25 Persönlichkeiten hat sie dafür porträtiert, darunter den ehemaligen Kunsthallen-Chef Gerald Matt, Künstler Peter Kogler sowie Museumsvorstand Saskia Leopold, deren Großvater mit seiner legendären Sammlung für die heute mit jährlich 350.000 Gästen meistbesuchte museale Einrichtung im MQ mitverantwortlich ist. Rund 60 Kulturinstitutionen sorgen mit Ausstellungen und Abenteuern, Retro-Sportmöglichkeiten wie Boccia oder Minigolf – auf künstlerisch gestalteten Bahnen versteht sich – , lukullischen Genüssen vom Brunch bis zur Cocktail-Time, Open-Air-Literaturfestivals oder Bühnenspektakeln für satte fünf Millionen Besucher:innen pro Jahr.
Gemeinsam mit dem ORF-Kultursender Ö1 läutet das MQ seine Jubiläumswoche mit Konzerten und Ausstellungsbesuchen ein. Neue Pläne für das mumok: Als jüngstes Mitglied der MQ-Community reiht sich Fatima Hellberg, die neue Direktorin des mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien – ein, die den mehr als 12. 000 Exponate beherbergenden Kunsttanker für die Eröffnungsausstellung „Terminal Piece“ samt einer Intervention namens „ Figure oft he Child“ der georgischen Künstlerin Tolia Astakhishvili rüstet.
Die Sammlung von Klassischer Moderne, über Pop-Art, Wiener Aktionismus bis hin zu Zeitgenössischem will die schwedische Kuratorin und Kunsthistorikerin gleich zu Amtsantritt stärker in den Fokus rücken. Bis Ende September lockt sie das zuletzt rückläufige Publikum bei freiem Eintritt ins Museum, dessen Eingangsbereich die renommierte Bühnenbildnerin Anna Viebrock gestaltet. Welche Pläne sie für das mumok hat, wie sie das Haus für das Publikum weiter öffnen will und wohin die Reise gehen soll spricht sie im „kulturMONTAG“ mit Martin Traxl. (Text: ORF)
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