Maria Callas – Ein Leben für den Gesang
- F 1997 (Passion Callas, 80 Min.)
- Dokumentation
- Kunst & Kultur
- Porträt
Ist wirklich schon alles über die Callas gesagt worden? Was bleibt noch zu entdecken? Kann man das Leben der Callas heute in neuem Licht sehen und sich von allen bisherigen Filmbiographien abheben?
An die Stelle des Bildes einer Frau mit tragischem Schicksal haben wir das Bild der Künstlerin gesetzt, die nach über 27jähriger Karriere – von ihrem 15. Lebensjahr bis zu ihrem letzten Auftritt in der Covent Garden Opera im Juli 1965 – eine der großen Legenden unseres Jahrhunderts geworden ist. „Ich wollte der Kunst, der Musik, dienen ( …), arbeiten, jedes erdenkliche Opfer bringen …“
Wir wollten uns in diesem Dokumentarfilm einmal auf den Standpunkt der Callas stellen und lassen daher vor allem sie selbst zu Wort kommen. Es gibt genügend Interviews der Callas, aus denen sich ein Leitmotiv klar erkennen lässt: sie war von ihrer Arbeit besessen. Diese Eigenschaft hat die Callas ihr ganzes Leben lang vor dem Publikum (und vor sich selbst) als Grund für das ungeheure Missverständnis angeführt, dessen Opfer sie zu sein glaubte: „Um sich den Erwartungen des Publikums würdig zu erweisen, muss man vollkommen sein.“
Durch solche Äußerungen hoffen wir, Urteile und Vorurteile über das Leben der Diva zu revidieren. Darum vermittelt das „Tagebuch einer Sängerin“ vielleicht ein realistischeres und neuartigeres Bild der Callas als alle bisherigen Biographien. Dennoch ist es paradox: Die Callas erscheint als zerbrechliche Kämpferin, als Sängerin, die unermüdlich an der Vervollkommnung ihrer Kunst arbeitet. Die Äußerungen der Zeitzeugen bilden ein Gegengewicht zu denen der Callas. Mal bringen sie ihre Bewunderung zum Ausdruck, mal erwidern sie ihr mit Kritik, immer jedoch lassen sie ihr das letzte Wort.
Im Film alternieren die englisch-, italienisch- und französischsprachigen Callas-Interviews mit denen, die wir in Paris, Rom und Athen von mehr oder weniger engen Mitarbeitern der Sängerin neu gedreht haben. Unsere Callas-Biographie will auch ein junges Publikum ansprechen. Maria Callas ist die einzige weltweit in allen Gesellschaftsschichten bekannt gewordene Sängerin des 20. Jahrhunderts: Sie ist für die Oper, was Sarah Bernhardt für das Theater und Greta Garbo für den Film darstellen.
Für die Oper gibt es eine Zeitrechnung vor und eine nach der Callas. Dieser Gedanke durchzieht leitmotivisch viele Interviews. Dem Bel Canto hat die Callas wieder einen Ehrenplatz gegeben, indem sie den Bel Canto des 19. Jahrhunderts pflegte und erneuerte, dabei aber immer dem musikalischen Ausdruck den Vorrang gab. Sie verstand es, schöpferische Interpretation und größtmögliche Werktreue miteinander zu verbinden. Ihre aparte Schönheit und ihr musikalisches Ausdruckstalent haben zweifellos zur Wiedergeburt der Opernregie beigetragen.
Im Mittelpunkt des Porträts steht ihr Leben, vor allem ihr Künstlerleben. Die Skandale, unter denen sie so gelitten hat, rangieren erst an zweiter Stelle. Wir hoffen, dass wir damit die zukünftigen Generationen wieder zum Träumen anregen und ihnen etwas von der Faszination vermitteln können, die das Ideal der Callas auf uns alle ausübt: Perfektion im Dienste des Theaters und der Musik. (Text: arte)
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