Imre Nagy – Der Held von 1956

H 1996 (45 Min.)
  • Geschichte
  • Porträt

Am 16. Juni 1958 erschütterte eine Blitznachricht aus Budapest die Welt: Imre Nagy, Symbol des ungarischen Freiheitsstrebens, Ministerpräsident des Volksaufstandes vom Herbst 1956, war nach einem geheimen Schauprozess hingerichtet worden. Mit ihm starben Pal Maleter, der mutige Verteidigungsminister während des Volksaufstandes, und zwei weitere prominente Hauptangeklagte. Heute weiß man, dass nicht die Sowjets, sondern Janos Kadar, der während des Aufstandes aus dem Kabinett Nagy zu den Sowjets übergelaufen war und dann rund 30 Jahre als ihr Statthalter in Ungarn fungierte, hinter dem Prozess gegen seinen im Volke hoch angesehenen populären Rivalen Nagy stand.

Der ‚National‘-Kommunist Imre Nagy war während des Volksaufstandes zum Ministerpräsidenten ernannt worden – er wurde schnell einer der Führer der Freiheitsbewegung, erklärte den Austritt Ungarns aus dem Warschauer Pakt und sprach sich klar für demokratische Ziele und Wege aus. In Ungarn wie im Westen galt Imre Nagy als integrer Politiker, der sein Land aus der eisernen Umklammerung der sowjetischen Herrschaft befreien wollte. Mehr als 30 Jahre lang wurde Nagy nach der Niederschlagung des Aufstandes totgeschwiegen. Nicht einmal die engsten Angehörigen wussten, wo der Hingerichtete begraben – wie wir heute wissen: verscharrt worden war.

So sehr fürchtete das Kadar-Regime den freiheitlichen Geist, der für das ungarische Volk mit dem Namen und dem mutigen Tod des Imre Nagy verbunden war und bleibt. Der Geheimprozess wurde zu Propagandazwecken und um die „landesverräterischen Motive“ der Nagy-Gruppe zu „entlarven“ gefilmt; ein erschütterndes Dokument, das dann jedoch nie gezeigt und bis zur ungarischen Wende 1989 in den Tresoren des ungarischen Innenministeriums unter Verschluss gehalten wurde. Die ungarischen Autoren Katalin Vikol und Istvan Szakaly haben Ausschnitte wiederentdeckt und in ihrem Film über Imre Nagy verwendet.

Imre Nagy – ein kommunistisches Schicksal unseres Jahrhunderts – ein Mythos, ein anständiger Politiker, der mit seinem Leben dafür bezahlte, dass Freiheit und Demokratie mit dem Machtanspruch der Partei nicht vereinbar waren. Der Film erzählt die Lebensgeschichte dieses ungewöhnlich mutigen Mannes mit seltenem Dokumentarmaterial. Und er untersucht, welche Spur Imre Nagy, der 1989 vom ungarischen Obersten Gerichtshof voll rehabilitiert wurde, in der ungarischen Geschichte hinterlassen hat. (Text: tagesschau24)

Deutsche TV-Premiere 15.08.2003 BR-alphaOriginalsprache Ungarisch

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