Der jüdische Kardinal

F 2012 (Le métis de Dieu, 96 Min.)
  • Portrait
Eine starke Freundschaft verbindet Papst Johannes Paul II. (Aurélien Recoing, li.) und Kardinal Jean-Marie Lustiger (Laurent Lucas, re.), die eine gemeinsame Perspektive von Welt und Kirche haben. Doch während der Affäre des Karmel von Auschwitz, verstehen die zwei Männer sich gegenseitig nicht mehr – Bild: ARTE France /​ © Jérémie Bouillon
Eine starke Freundschaft verbindet Papst Johannes Paul II. (Aurélien Recoing, li.) und Kardinal Jean-Marie Lustiger (Laurent Lucas, re.), die eine gemeinsame Perspektive von Welt und Kirche haben. Doch während der Affäre des Karmel von Auschwitz, verstehen die zwei Männer sich gegenseitig nicht mehr

Aaron Jean-Marie Lustiger ist kein konventioneller Geistlicher. Am 17. September 1926 als Sohn jüdisch-polnischer Eltern in Paris geboren, tritt er im Jahr 1940, im Alter von 14 Jahren, gegen den Willen seiner Eltern zum katholischen Glauben über und ändert seinen Geburtsnamen Aaron in Jean-Marie. Seine Priesterweihe erhält Lustiger, ein Cousin des deutschen Historikers und Schriftstellers Arno Lustiger, 1954 in Paris. Er raucht viel und fährt Moped, seine Predigten sind energisch und modern. Als eine katholische Zeitung seine jüdische Herkunft betont, provoziert er einen Skandal, als er behauptet, er habe mit der Konvertierung zum Katholizismus dem Judentum keinesfalls abgeschworen. Gegenüber dem Journalisten sagt er, er sei eine lebende Provokation, die viele dazu zwinge, das Wesen Christi zu ergründen.

Lustiger setzte sich zeitlebens für die Verständigung zwischen Christen und Juden ein und war ein strikter Verfechter der Menschenrechte. Sein Vater Charles, der von Polen nach Frankreich geflohen war und dessen Frau im Jahr 1943 im deutschen Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau ermordet wurde, akzeptiert die Entscheidung seines Sohnes nicht, Bischof von Orléans zu werden, da das Angebot ausgerechnet von einem Papst kommt, der Pole ist. Als Lustiger den Papst trifft, ist er beeindruckt von dessen Persönlichkeit und Visionen. Die beiden Gottesmänner begegnen sich mit einer ähnlichen Weltsicht und einem ähnlichen Verständnis von Kirche. Bereits nach einem Jahr als Bischof von Orléans wird Lustiger zum Erzbischof von Paris und später auch zum Kardinal und Berater des Papstes ernannt.

Aufgrund seiner jüdischen Wurzeln setzt sich Lustiger als Erzbischof besonders mit der Beziehung von katholischer Kirche und Judentum auseinander. Als 50 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs im sogenannten „Theater“ von Auschwitz – einem ehemaligen Lagergebäude für Zyklon B – ein Karmeliterinnenkloster eingerichtet wird, erregt dies gewaltigen Protest und Empörung. Lustiger muss Stellung beziehen … (Text: arte)

Aaron Jean-Marie Lustiger (1936–2007), Erzbischof von Paris, eine inspirierende Person, prägte nicht nur durch seine Konvertierung zum Katholizismus die französische und internationale Öffentlichkeit. Sein Kampf für die innerliche und religiöse Freiheit eines jeden Menschen und gegen Totalitarismus, Ideologie, Klerikalismus sowie Einheitsdenken trieb ihn dazu an, die französische Kirche stark zu reformieren. Ihm zu verdanken ist zum Beispiel die Neustrukturierung der Priesterausbildung und des Theologie-Studiums, wie auch die Öffnung der Kirche für die Medien und die Gründung von katholischen Radio- und Fernsehsendern. Er war seit 1995 Mitglied der Académie Française und ein Hauptakteur in den jüdisch-katholischen Beziehungen. Der biografische Film von Ilan Duran Cohen konzentriert sich vor allem auf die Auseinandersetzung des Geistlichen mit seiner Herkunft und seiner strategischen Rolle zwischen Christentum und Judentum. Dementsprechend wurden gewisse Freiheiten in der Erzählung vorgenommen, wie die Tatsache, dass er Einzelkind war. Der Film liefert eine Interpretation der inneren Kämpfe des Kirchenmannes. Diese werden subtil mit der wandelnden Innen- und Außenpolitik der katholischen Kirche unter Johannes Paul II. verbunden. Ilan Duran Cohen ist in Israel geboren und französischer Regisseur, Schriftsteller und Drehbuchautor. Zu seinen Filmen zählen „Man liebt es unentschieden“ (2000), „Le Petit Fils“ (2004), „Der Liebespakt – Simone de Beauvoir und Sartre“ (2006) und „Wenn Spione singen“ (2007). (Text: arte)

Deutsche TV-Premiere29.03.2013arteInternationaler Kinostart2012

Originalsprache: Französisch

Sendetermine

Sa 25.11.2023
02:25–04:02
02:25–
Di 16.08.2022
02:10–03:50
02:10–
Sa 13.08.2022
01:35–03:15
01:35–
So 07.02.2016
09:20–10:55
09:20–
Fr 05.02.2016
23:30–01:10
23:30–
Mi 17.09.2014
18:39–20:16
18:39–
(OF)
Fr 10.05.2013
14:05–15:40
14:05–
Do 18.04.2013
14:05–15:45
14:05–
Fr 29.03.2013
22:35–00:15
22:35–

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