Der 10. Mai Angst vor der Gewalt

    CH 1957 (90 Min.)
    • Krieg
    Besprechung mit der Fremdenpolizei: Heinrich Gretler als Wachtmeister Grimm, Heinz Reincke als Werner Kramer, Landa Geiser als Anna Marti – Bild: SRF/​Franz Schnyder
    Besprechung mit der Fremdenpolizei: Heinrich Gretler als Wachtmeister Grimm, Heinz Reincke als Werner Kramer, Landa Geiser als Anna Marti

    Am 10. Mai 1940 um 03:00 Uhr nachts gerät die Westfront in Bewegung. Die deutsche Wehrmacht überfällt Belgien, Holland und Luxemburg, um die Maginotlinie aufzurollen. Auf seiner Kontrollrunde trifft der Schweizer Bahnwärter Tschumi den triefnassen deutschen Flüchtling Werner Kramer , der über den Rhein geschwommen ist. Kramer hofft, dass die Heftis, alte und gutsituierte Zürcher Freunde, ihm helfen werden. Doch die Nachricht vom deutschen Überfall wirkt auf die Schweizer wie ein Schock, verändert Lage und Stimmung. Ein Lastwagenchauffeur nimmt Kramer zwar ein Stück weit mit und spendiert ihm sogar ein Mittagessen, lässt ihn dann aber unvermittelt sitzen.
    In Zürich erfährt der Flüchtling, dass die Heftis sich in die Innerschweiz abgesetzt haben. Auf dem Bahnhof bringt ihn dafür der Zufall mit der Schneiderin Anna Marti zusammen, die er seit Kindertagen kennt. Anna gewährt ihm Unterschlupf im Atelier und nimmt ihn abends mit nach Hause. Das aber passt ihrem Wohnpartner, dem verwitweten Schwager Albert Widmer , ganz und gar nicht. Er überlegt sich sogar, ob er Kramer denunzieren soll. Doch Kramer sieht selbst ein, dass er so nicht weiterkommt. Er stellt sich der Polizei. Nach einer langen Nacht auf der Wache bleibt für ihn die bange Frage, wie seine Aussichten für ein Asylgesuch stehen.
    «Mir war wichtig, zu zeigen, wie sich mein Land verhält, wenn es nicht nur 1.-August-Reden hält, sondern wirklich in Gefahr ist.» Das sagte Franz Schnyder von dem Filmstoff, der ihn beschäftigte, seit er als Hochgebirgssoldat Aktivdienst geleistet hatte. Das Drehbuch schrieb er zusammen mit den Schweizer Schriftstellern Arnold Kübler und Wilhelm Michael Treichlinger. Wie schon in «Wilder Urlaub» umfasst der Film den Ablauf eines einzigen Tages, schildert aber diesmal die Gemütslage einer ganzen Nation. Das bedingte eine Vielzahl von Personen, von kleinen Einzelschicksalen, die in kurzen Szenen glaubhaft werden mussten.
    Aufgeboten war daher praktisch jeder und jede in der Schweiz, die im Schauspielbereich Rang und Namen hatte, von Therese Giehse bis Fredy Scheim. Und sie machten mit, vielfach nur in kleinen und kleinsten Rollen. «Der 10. Mai» wurde 1958 bei der Berlinale als Eröffnungsfilm gezeigt, allerdings ausser Konkurrenz, da er von der Schweiz nicht offiziell zum Wettbewerb angemeldet wurde. «Mit schmutziger Wäsche geht man nicht ins Ausland», beschied Bern. In den Schweizer Kinos wurde der Film damals ein Misserfolg. Das Publikum war noch nicht bereit, eine selbstkritische Darstellung der Kriegstage zu akzeptieren.
    1976 brachte Schnyder daher eine neu überarbeitete und gekürzte Fassung in die Kinos und vernichtete die Negative des Originals. In Zusammenarbeit mit der Cinémathèque suisse und dem Filmmuseum in Frankfurt konnte SRF in den vergangenen Jahren die Schweizer Premierenfassung von 1957 rekonstruieren und präsentiert sie nun erstmals einem breiten Publikum. (Text: SRF)

    Internationaler Kinostart18.10.1957

    Sendetermine

    Sa 25.06.2022
    14:10–15:50
    14:10–
    Sa 09.05.2020
    14:05–15:40
    14:05–
    Sa 11.05.2019
    14:05–15:50
    14:05–
    Sa 08.09.2018
    00:05–01:30
    00:05–
    Sa 12.05.2018
    14:05–15:35
    14:05–
    So 10.05.2015
    23:30–01:05
    23:30–
    Fr 08.02.2013
    16:15–17:45
    16:15–
    Sa 07.05.2011
    16:00–17:30
    16:00–
    Di 18.05.2010
    16:00–17:30
    16:00–
    Di 18.05.2010
    10:45–12:20
    10:45–
    So 16.05.2010
    14:25–16:00
    14:25–
    Mi 12.05.2010
    23:40–01:10
    23:40–
    Mi 12.05.2010
    20:00–21:30
    20:00–
    So 09.08.2009
    13:10–14:35
    13:10–
    Mi 10.08.2005
    13:15–14:45
    13:15–
    Fr 14.02.2003
    20:35–22:00
    20:35–

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