Das Ich-Zeitalter: Zwischen Selbstverwirklichung und Selbstoptimierung

A 2026 (45 Min.)
  • Dokumentation
  • Gesellschaft

Gesünder essen, regelmäßig Sport betreiben, auf Alkohol verzichten? Die Gen Z hat einen neuen Boom eingeleitet: Selbstoptimierung. Doch wohin führt der Wunsch nach Perfektion? Über die sozialen Medien werden die unterschiedlichsten Methoden und Konzepte verbreitet. Influencer zeigen, wie man sein Leben in neue Bahnen lenken kann. Ob körperlich, mental oder beruflich – immer mehr Menschen wollen das Beste aus sich herausholen. „Longevity“ ist ein zentrales Schlagwort der Selbstoptimierungsszene. Lena Hager trifft in Frankfurt am Main einen überzeugten Anhänger: Vimal Kamaraj wird sich nach seinem Tod einfrieren lassen.

Der 26-Jährige hofft, dass die Medizin eines Tages so weit ist, dass er wiederbelebt wird und ewig leben kann. Seinen Alltag hat er bereits im Sinn der Langlebigkeit optimiert. Doch der Selbstoptimierungstrend hat auch Schattenseiten: „Ich war irgendwann so weit, dass ich es als unproduktiv angesehen habe, Zeit mit meinen Freunden zu verbringen“, sagt die 25-jährige Influencerin Julia Barabasch. Sie warnt vor einem extremen Streben nach dem „perfekten Ich“, wie es oft auf Social Media gehypt wird. Auch Stefan Röpke, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie an der Oberbergklinik Berlin-Brandenburg, warnt vor den negativen Folgen des Trends.

Er erklärt, ab wann die Optimierung zur Gefahr und nicht zur Chance wird. Für eine andere „Arbeit“ an sich selbst setzt sich Jakob Horvat ein. In „Männerkreisen“ sollen Teilnehmer neue Seiten an sich entdecken und einen besseren Zugang zu ihren Emotionen finden. „Viele Menschen, die zu mir kommen, haben viel erreicht und oft klassische Karrieren gemacht. Sie stellen sich plötzlich neue Fragen, was eigentlich noch gelebt werden will“, erzählt der Coach. Er selbst hat nach einer Weltreise sein Leben komplett neu ausgerichtet und verbringt mittlerweile die Wintermonate im ausgebauten Van in Spanien.

In Amsterdam begleitet Isabella Purkart den „Biohacker“ Jorn Kirkels, der seinen Alltag kompromisslos auf maximale Leistungsfähigkeit ausrichtet. Nach dem Aufstehen ist bei ihm alles durchgetaktet: ein mehrstufiges Körperprogramm mit Infrarotlicht, eiskalter Dusche, „Kettlebell-Swings“ sowie Atem- und Dehnungsübungen. Nichts bleibt dem Zufall überlassen, und so gut wie alles wird getrackt: Schlaf, Bewegung, Ernährung. In den Niederlanden setzt sich noch ein weiterer Optimierungsboom durch: „Microdosing“, wovon sich Befürworter mehr Konzentration und Kreativität versprechen. (Text: 3sat)

Deutsche TV-Premiere 09.09.2026 3sat

Sendetermine

Mi. 09.09.2026
20:15–21:00
20:15–

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