Schande

    AUS/SA 2008 (Disgrace)
    Liebesfilm/Drama (120 Min.)
    Schande – Bild: Silverline
    Schande – Bild: Silverline
    Südafrika, zu Beginn der Postapartheid-Ära: In einem gesellschaftlich zerrissenen Land hat David Lurie (John Malkovich), ein 52-jähriger College-Professor, der an der Universität von Kapstadt romantische Literatur unterrichtet, den Boden unter den Füßen verloren. Der alleinstehende Akademiker sucht Ablenkung in schnellem Sex, doch die von ihm erzwungene Affäre mit der jungen Studentin Melanie Isaacs (Antoinette Engel) kommt ihn teuer zu stehen: Eine von der Universitätsleitung beauftragte Untersuchungskommission will ein Exempel statuieren und legt ihm die Kündigung nahe. Kurzerhand packt David die Koffer und flüchtet zu seiner Tochter Lucy (Jessica Haines), die tief im Landesinneren in der Provinz Ost-Kap allein eine kleine Farm bewirtschaftet, von Blumenaufzucht und Gemüseanbau lebt und ihre Erzeugnisse auf einem nahe gelegenen Markt verkauft. Beide haben sich jahrelang nicht gesehen, aber trotz der emotionalen Distanz nimmt Lucy ihren Vater bei sich auf. Hier lernt David auch den schwarzen Hilfsarbeiter Petrus (Eriq Ebouaney) kennen, der Lucy auf dem Anwesen zur Hand geht und mit staatlicher Unterstützung einen Teil von ihrem Land erwarb – ein Arrangement, das dem vom alten System der Rassentrennung geprägten Intellektuellen nicht behagt. Trotz aller Vorbehalte nistet David sich bald häuslich ein, begleitet Lucy auf den Markt und hilft in der Tierklinik ihrer Freundin Bev Shaw (Fiona Press) aus, mit der er nach einiger Zeit eine Affäre beginnt. Eines Tages wird die trügerische Idylle durch ein schockierendes Verbrechen jäh zerstört: Drei junge, schwarze Männer dringen in Lucys Haus ein und vergewaltigen sie. David, der von dem Überfall schwere Blessuren davonträgt, ist unfähig, seiner Tochter zur Seite zu stehen. Die Tat zieht verstörende Folgen nach sich: Trotz vehementer Forderungen ihres Vaters weigert sich Lucy, zur Polizei zu gehen und entscheidet sich stattdessen, den brutalen Vorfall zu verschweigen. Als sich dann auch noch herausstellt, dass es sich bei einem der Angreifer um den jungen Schwager von Petrus handelt, sieht sich David mit einer komplexen Situation gegenseitiger Abhängigkeiten konfrontiert, die seinen eingeschränkten Erfahrungshorizont um ein Vielfaches übersteigt und ihn zu tiefgehenden persönlichen Einsichten zwingt. Als mit „Schande“ 1999 der achte Roman des südafrikanischen Literatur-Nobelpreisträgers J. M. Coetzee erschien, wurde dessen sezierende Studie über die gespaltene Psyche seines nach dem Ende der Apartheid tief verwundeten Heimatlandes extrem kontrovers aufgenommen: Einerseits erntete das Buch großes Kritikerlob und den begehrten Booker-Preis, anderseits führte es in Südafrika zu empörten Reaktionen. In seiner an Originalschauplätzen entstandenen Adaption nimmt der australische Regisseur Steve Jacobs, der hier seinen zweiten Kinofilm inszenierte, die politische Sprengkraft der literarischen Vorlage zugunsten eines intimen Persönlichkeitsdramas zurück, das dennoch seine intensive Wirkung nicht verfehlt. Großen Anteil daran hat der zweifach Oscar-nominierte Hauptdarsteller John Malkovich (‚In The Line Of Fire‘). Mit seiner Verkörperung eines selbstgerechten Kopfmenschen im verzweifelten Ringen mit dem eigenen Weltbild und einem zerrütteten Wertesystem gelingt es ihm, der ambivalenten Grundkonstellation von Coetzees Stoff auf stille, eindringliche Weise Ausdruck zu verleihen. Ein Bruch geht durch Südafrika nach dem Ende der Apartheid und auch der 52-jährige, alleinstehende Literaturprofessor David Lurie befindet sich am Scheideweg. Als ihn die Affäre mit einer jungen Studentin seinen Job kostet, verlässt er Kapstadt und sucht Zuflucht auf der Farm seiner Tochter Lucy. Doch auch in der ländlichen Abgeschiedenheit kann Lurie keine Ruhe finden: Ein brutales Gewaltverbrechen zieht erschütternde Konsequenzen nach sich, denen der nur scheinbar selbstsichere Akademiker machtlos gegenübersteht. – Steve Jacobs’ Sittengemälde basiert auf einem Roman des südafrikanischen Nobelpreisträgers J. M. Coetzee. (Text: One)
    Deutsche TV-Premiere: 05.02.2009 Kinowelt Television
    Originalsprache: Englisch
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