Deutsche Erstausstrahlung: 04.12.1996 Sat.1

    Die Sendereihe erzählt einige der spektakulärsten Kriminalfälle der jüngeren Geschichte. Manche der Taten sind bis heute in Erinnerung – der Mord an Rosemarie Nitribitt zum Beispiel, das Massaker an vier Bundeswehrsoldaten in Lebach oder die dramatische Giftmordserie mit dem Pflanzenschutzmittel E 605. Für die fernsehgemäße Aufbereitung haben Autoren, wie die Tatortspezialisten Friedhelm Werremeier und Erwin Keusch, mit dokumentarischer Akkuratesse Drehbücher für spannungsgeladene Krimis geschrieben. Die einzelnen Geschichten sind mit erstklassigen Schauspielern besetzt, wie etwa Hans-Peter Korff und Renate Schroeter im Drama um den „Mabuse von Wolfsburg“, wie Wolf Roth als zwiespältiger Frauenmörder Imiela oder Günther Schramm, der als Kriminalrat Kielmeier den Attentäter „Monsieur X“ zur Strecke bringt. Geführt werden die Darsteller von großen Regisseuren: Eberhard Itzenplitz, Frank Strecker, Michael Kehlmann, Gunther Scholz. Die hier geschaffene Fernseh-Reihe begründet eine neue Gattung des Krimis: Wahrhaftig bis ins Detail, trotzdem spannend wie ein erfundener Thriller – dazu eine hochinteressante Geschichtsstunde. Vorgestellt und zusammengehalten von Prof. Dr. Manfred Schreiber, dem langjährigen Münchner Polizeipräsidenten. Einige der Fälle, die geschildert werden, fielen damals in seine Zuständigkeit, an anderen hat er per Amtshilfe mitgearbeitet. (Text: Sat.1)

    Cast & Crew

    Dies und das

    Aus dem Fernsehlexikon von Michael Reufsteck und Stefan Niggemeier (Stand 2005):

    8 tlg. semidokumentarische Krimireihe von Eduard Zimmermann.

    Spektakuläre historische deutsche Kriminalfälle wie der Mord an Rosemarie Nitribitt, die Giftmordserie mit dem Pflanzenschutzmittel E 605 und der Banküberfall in der Münchner Prinzregentenstraße werden nachgespielt. Zimmermann greift dabei das Prinzip von frühen semidokumentarischen deutschen Krimis wie Stahlnetz wieder auf: Zwischen der Handlung taucht immer wieder der ehemalige Münchner Polizeipräsident Manfred Schreiber auf, der für die meisten Fälle zuständig war, und kommentiert das Geschehen.

    Ein Problem bekam Sat.1 mit dem Vorhaben, die Geschichte der Soldatenmorde von Lebach nachzuerzählen. Einer der Täter, die fast drei Jahrzehnte zuvor ironischerweise aufgrund einer Aktenzeichen XY-Sendung von Zimmermann gefasst worden waren, erwirkte mehrere Urteile gegen die geplante Ausstrahlung, weil seine Persönlichkeitsrechte dadurch verletzt würden. Dabei hatte Sat.1 alle Hinweise auf seine Identität sorgfältig verfremdet. Erst nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts im November 1999 wurden diese Verbote aufgehoben, die Folge Der Fall Lebach war dennoch erst mehr als fünf weitere Jahre später, im Januar 2005, erstmals zu sehen. 1973 hatte das Bundesverfassungsgericht in seinem Lebach-Urteil dem ZDF ein Fernsehspiel zum gleichen Thema untersagt.