Deutsche Erstausstrahlung: 11.12.1975 ZDF

    „Die Geschichte spielt in Bayern. In einer bayerischen Kleinstadt. Aber sie könnte überall bei uns spielen, die Probleme sind die gleichen.

    Herr Spannagl ist Einzelhändler. Schon sein Vater hatte das Geschäft Spannagl & Sohn, Lebensmittel und Delikatessen. Obwohl die Umsätze immer mehr zurückgehen, wird Tradition groß geschrieben. Das Unheil kündigt sich an. Spannagl bekommt plötzlich wie alle Einzelhändler des Städtchens die Konkurrenz eines neu errichteten Supermarktes zu spüren. Und ausgerechnet sein Sohn, der eine kleine Manager-Karriere gemacht hat, wird Leiter dieses Supermarktes. Zu allem Übel erschreckt die Tochter ihre Eltern mit der Neuigkeit, dass sie ihr Studium „schmeißen“ will und ihre provokant-emanzipatorischen Ideen über Kinderpsychologie in ihrer Heimatstadt in der Praxis zu verwirklichen gedenkt.

    Das Familiengefüge gerät ins Wanken. Frau Spannagl ahnt die Veränderungen, die sich innerhalb der Familie anbahnen. Sie weiß um die finanziellen Schwierigkeiten ihres Mannes und steht ihm – bei allem Verständnis für ihre Kinder – sanft und verzweifelt tapfer zur Seite: Frau Spannagl steht ihre Frau.

    Herr Spannagl nimmt den Kampf ums geschäftliche Überleben auf. Er schreckt vor den kuriosesten Methoden nicht zurück, ein schlitzohriger Stehaufmann, eigensinnig und listig, immer auf dem schmalen Grat zwischen Biederkeit und Raffinement wandelnd. Daraus entwickelt sich ein tragikkomisches Spiel, wobei der Akzent bewusst nicht auf der Tragik liegt. Herr Spannagl muss am Ende der Geschichte zur Einsicht gelangen, dass er als Querkopf alleine nicht weiterkommt, daßß ökonomische Veränderungen nur in größeren Dimensionen gelöst werden können und dass auch Kinder das Recht auf ein ihm zwar unverständliches, aber eigenes Leben haben. – Darin liegt die Chance eines Neubeginns.

    Es wurde, um diese Gedankengänge deutlich zu machen, bewusst nicht auf Klischees verzichtet: Es gibt in dieser Serie das Wirtshaus, in dem alles bierstark ausgehandelt wird, handgreifliche bayerische Geselligkeit, Sippschaften, Verfilzungen und sogar Reminiszenzen an König Ludwig II. und sein Schloss Herrenchiemsee.

    Das Team der Verantwortlichen (Autoren, Regisseur, Produktion und Redaktion) glaubt, dass eine Serie, in der neben reiner Unterhaltung auch gewisse ökonomische Zusammenhänge aufgezeigt werden sollen, nur dann eine Chance beim Zuschauer hat, wenn ganz gezielt das intellektuelle Vehikel der Komik eingesetzt wird.“ (Quelle: Das Fernsehspiel im ZDF, Information und Presse/Öffentlichkeitsarbeit, Heft 11, Dezember 1975 bis Februar 1976)

    Spannagl & Sohn auf DVD

    Spannagl & Sohn – Community

    Techniscope (geb. 1960) am 27.07.2011: Die Serie ist mittlerweile auf 2 DVD´s komplett erschienen. Ein digitale Bearbeitung hat offensichtlich nicht stattgefunden. Das ist aber weiter nicht schlimmm, da die Serie einen sehr hohen Kultfaktor hat. Einfach nur anschauen und geniessen und natürlich in der Vergangenheit schwelgen.
    Walter am 30.11.2010: Liebes Eurovideo-Team, liebe Fans bayerischer Unterhaltung, hier liegt ein Juwel verborgen, das man nach so langen Jahren im Archiv endlich wieder heben müsste. Ich kann mich an die Serie nur noch schwach erinnern, nachdem ich sie in meinem Grundschulalter gesehen hatte. Als ich später dann den "Millionenbauer" oder den "F.X. Brunnmayr" genossen habe, wurden Erinnerungen wach. Ein echtes zeitgeschichtliches Dokument, vgl. den Episodenüberblick bei Kabel eins. Für eine DVD-Produktion ist die Serie optimal auch was den Umfang angeht. Wäre das nix?

    Cast & Crew

    Dies und das

    Aus dem Fernsehlexikon von Michael Reufsteck und Stefan Niggemeier (Stand 2005):

    13 tlg. dt. Familienserie von Heinz Pauck, Christian Sasse und Walter Sedlmayr, Regie: Wolfgang Liebeneiner.

    Das Leben könnte so schön sein für den alteingesessenen Lebensmittelhändler Gustav Spannagl (Walter Sedlmayr) und seine Elise (Bruni Löbel), wäre da nicht dieser existenzbedrohende Supermarkt. Doch der listige Gustav nimmt den Kampf auf und befehdet damit seinen eigenen Sohn Gerd (Richard Rüdiger), der Filialleiter des Supermarkts ist. Dabei versucht Gustav den Stolz auf seinen Sohn zu verbergen. Der gerissene Fleisch- und Wurstfabrikant Georg Jakob (Gustl Bayrhammer), nebenbei Stadtrat und ein alter Freund der Familie, macht die Situation nicht besser, indem er neben Gustav auch Gerd beliefert.

    Die Serie wollte ökonomische Zusammenhänge in unterhaltender Spielform darstellen. Die halbstündigen Folgen liefen donnerstags am Vorabend.

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