Panorama

    Panorama

    D 1957–
    Deutsche Erstausstrahlung: 28.01.1957 ARD
    Alternativtitel: Panorama extra

    Ältestes politisches Fernsehmagazin Deutschlands, erstmals ausgestrahlt am 28. 1. 1957 im damaligen Deutschen Fernsehen, zunächst – bis März 1958 – zwölfmal. Beginn der regelmäßigen Ausstrahlung am 4. 6. 1961, anfangs im Zweiten ARD-Programm. Mit der Sendung verbinden sich große Namen des deutschen Nachkriegsjournalismus wie Eugen Kogon, Gert von Paczensky, Rüdiger Proske, Joachim Fest und Peter Merseburger. (Text: ARD)

    Panorama im Fernsehen

    Do
    12.01.21:45–22:15Das ErsteBerichte – Analysen – Meinungen
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    Do
    12.01.23:30–00:00tagesschau24Berichte – Analysen – Meinungen
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    13.01.20:15–20:45tagesschau24Berichte – Analysen – Meinungen
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    14.01.17:30–18:00tagesschau24Berichte – Analysen – Meinungen
    17:30–18:00

    Panorama – Community

    unbekannt (geb. 1936) am 11.06.2015: Die Weltlage Putin holt sich die Krim , das geht garnicht ! Jetzt bleibt er außen vor und darf ab und zu über den Zaun schauen ! Der Westen ( USA ) hat einen Fehler bemacht ,den wir verzeihen ! Irak-krieg mit all seinen Folgen ! Flüchtlinge ohne Ende , das letzte Dorf merkt es ,es ist Alles verzeihlich unter Freunden ! Peter Oppenberg
    Jens (geb. 1973) am 24.01.2005: Eines der wichtigsten politischen Magazine und einer der Gründe, weshalb die "Öffentlich Rechtlichen", hier insbesondere die ARD den Privatsendern im bereich des Informationsfernsehens immer noch meilenweit voraus sind.

    Panorama – News

    Cast & Crew

    Dies und das

    Aus dem Fernsehlexikon von Michael Reufsteck und Stefan Niggemeier (Stand 2005):

    Zeitkritisches Magazin und eine der langlebigsten, wichtigsten und umstrittensten Sendungen im deutschen Fernsehen.

    Panorama griff den kurzlebigen Versuch seines gleichnamigen Vorläufers mit deutlich politischerem und pointierterem Konzept wieder auf. Gründer und erste Moderatoren (im Wechsel) waren Rüdiger Proske und Gert von Paczensky. Von Beginn an war das Magazin investigativ, kritisch und meinungsstark und machte sich in kürzester Zeit vor allem die Regierung, die katholische Kirche und die Vertriebenenverbände zum Feind.

    Anders als das andere ARD-Magazin Anno (später: Report) begriff sich Panorama als „Meinungsmagazin“ im Sinne einer kritisch-provokanten Berichterstattung und als politische Opposition. Berühmt wurde Paczenskys Anmoderation eines Beitrags mit den Worten: „Nun wollen wir uns noch ein wenig mit der Bundesregierung anlegen.“ Immer wiederkehrendes Thema war anfangs neben der Auseinandersetzung mit der CDU/CSU die Kritik an der Kolonialpolitik Frankreichs und Belgiens, über deren Folgen Panorama aus der Sicht der betroffenen Menschen berichtete. Zum Berliner Mauerbau brachte die Sendung u. a. ein Statement eines britischen Labour-Abgeordneten, der ein gewisses Verständnis für die DDR-Entscheidung anklingen ließ.

    Ende 1962 berichtete Panorama ausführlich über die „Spiegel-Affäre“, die zum Rücktritt des damaligen Verteidigungsministers Franz Josef Strauß führte – Panorama hatte seinen Rücktritt bereits ein halbes Jahr vorher gefordert. Am 11. Februar 1963 beschäftigte sich das Magazin mit der Pressekonzentration im Allgemeinen und der „Bild“-Zeitung im Besonderen. „Bild“ rächte sich durch eine Kampagne und äußerte den Verdacht, Gert von Paczensky sei Ulbricht-Sympathisant – wegen äußerlicher Ähnlichkeiten und Paczenskys charakteristischer Kommentare. „Bild“ fragte: „Kam die Sendung aus dem Osten?“ und forderte: „Der Spitzbart muss weg!“ Im Mai 1963 setzte die CDU die Absetzung Paczenskys durch; nur ein halbes Jahr später lieferte ein Recherchefehler den Vorwand, auch Proske loszuwerden.

    Nachfolger wurde Eugen Kogon, der nach nur einem Jahr, in dem auch er sich dem Vorwurf der kommunistischen Infiltration ausgesetzt sah, entnervt das Handtuch warf. Nachfolger als Leiter wurde Walter Menningen, Moderator Joachim Fest, der ab April 1966 auch Redaktionsleiter wurde. Zu seiner Zeit setzte sich Panorama nicht zuletzt mit der deutschen NS-Vergangenheit, den USA in Vietnam und der Notstandsgesetzgebung auseinander. Fest rief in seiner letzten Sendung Ende 1966 zur Verteidigung des unabhängigen politischen Journalismus auf. Der ehemalige Minister Seebohm hatte über ihn gesagt: „Diesen Mann kann ich nur als Schwein bezeichnen, dem das deutsche Volk alles zurückzahlen sollte, was dieser ihm angetan hat.“ Auch ARD-intern hatte es von Anfang an Proteste gegen das Magazin, Rücktrittsforderungen an den NDR-Intendanten und Boykottdrohungen durch den BR gegeben. Mitarbeiter von Panorama in den Anfangsjahren waren u. a.: Werner Baecker, Lothar Loewe, Winfried Scharlau, Manfred Bissinger, Albert Krogmann und Ulrike Meinhof.

    1967 folgte Peter Merseburger auf Joachim Fest. Zur Zeit der Studentenbewegung prägte Panorama die öffentlichen Diskussionen wie später nie mehr. Anfang der 70er-Jahre unter dem Eindruck der Aktionen der Baader-Meinhof-Gruppe machte sich in den politischen Magazinen ein Klima der Anpassung breit. Panorama verstand sich als Wegbereiter der Ostpolitik Willy Brandts und wurde nach der Wahl der sozialliberalen Koalition 1972 zum Regierungsmagazin: Merseburger verzichtete auf grundlegende Kritik an der Politik der Bundesregierung. Als der NDR am 1. März 1974 auf Anregung von Julius Kardinal Döpfner und nach Protesten anderer ARD-Anstalten einen Beitrag von Alice Schwarzer zum Thema Abtreibung zurückzog, verweigerten Merseburger und die anderen Autoren daraufhin die Moderation. Ein Ansager verlas ihre Texte in der Sendung.

    Das Magazin gilt auch als wesentlicher Grund dafür, dass die CDU-Regierungen in Schleswig-Holstein und Niedersachsen 1978 den NDR-Staatsvertrag kündigten – vor allem wegen der kritischen Berichterstattung über das Kernkraftwerk Brokdorf. Erst nach langwierigen Verhandlungen und mehreren Gerichtsurteilen wurde der NDR als Dreiländeranstalt erhalten. Ebenfalls 1978 enthüllte Panorama, dass der damalige baden-württembergische Ministerpräsident Hans Filbinger gegen Ende des Zweiten Weltkrieges entgegen seiner Aussage als Marinerichter zwei Todesurteile gefällt hatte, und trug maßgeblich zu Filbingers Sturz bei. 1982 verschwand ein Film von Stefan Aust über einen Verfassungsschützer, der eine eigene Terrortruppe aufbauen wollte, vor der Sendung spurlos – und ist bis heute nicht wieder aufgetaucht. Die ARD zeigte aus Filmresten in einer Sondersendung am nächsten Tag eine Rekonstruktion. 1993 wollte Panorama angebliche Verstrickungen Oskar Lafontaines ins Rotlichtmilieu aufdecken, doch der verhinderte die Ausstrahlung des Beitrags und beschwerte sich später über „Schweinejournalismus“ – womit er nicht zuletzt Panorama meinte.

    Merseburger hielt es am längsten auf dem Schleudersitz des Redaktionsleiters aus. Ihm folgten als Redaktionsleiter und Moderatoren: Gerhard Bott (1975–1976), Ulrich Happel (1977), Winfried Scharlau (1978–1981), Peter Gatter (1981–1987), Joachim Wagner (1987–1996). 1997 übernahm Kuno Haberbusch die Leitung, es moderierte Patricia Schlesinger, ab Juli 2001 Anja Reschke. Im Mai 2004 wurde Stephan Wels Redaktionsleiter.

    Panorama startete mit dem Untertitel „Zeitgeschehen – ferngesehen“ als wöchentliches Magazin im damaligen Zweiten ARD-Programm. Zum 1. Juli 1962 wurde es ins Erste Programm übernommen, bekam nun den Untertitel „Berichte – Analysen – Meinungen“ und wurde im Wechsel mit Report alle 14 Tage sonntags um 18.45 Uhr ausgestrahlt. 1963 lief Panorama erstmals zur Primetime, ab September 1965 am Montag, der ein Stammplatz werden sollte. Hier lief es, anfangs 14-täglich im Wechsel mit Report, später in immer größeren Abständen im Wechsel mit immer mehr Politmagazinen. 1978 wechselte Panorama auf den Dienstag um 21.00 Uhr, 1993 auf den Donnerstag um 20.15 Uhr, ab 2005 um 21.45 Uhr.

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