Deutsche Erstausstrahlung: 26.08.1973 ZDF

    Meldungen des Tages werden von Lach- und Schießgesellschafter Dieter Hildebrandt kritisch serviert. Was aus deutschen Landen notiert werden kann, erscheint in vielen Fällen unglaublich, ist aber wahr … (Text: Funk Uhr 34/1973)

    Notizen aus der Provinz – Community

    Stefan Georg Mueller (geb. 1962) am 09.08.2013: Soweit ich erinnere, war "Notizen..." der Vorläufer von "Scheibenwischer" was die Medienpräsenz D. Hildebrandt betrifft. Ich habe jeder Ausstrahlung förmlich entgegen gefiebert, war sie doch in jenen Zeiten m.W. das einzige TV-Format einer Politsatire. Ich habe diese Kabarettsendung nach ihrer Absetzung lange schmerzlich vermißt u. die Lücke die sie hinterließ konnte später auch der Scheibenwischer nie zur Gänze schließen
    Alexander Berg (geb. 1965) am 03.04.2011: Ich bin mit der Sendung groß geworden. Gut, dass es Menschen wir Dieter Hildebrandt gibt.
    Max (geb. 1973) am 13.10.2006: Da noch keiner zu dieser Reihe etwas geschrieben hat, mache ich hier mal den Anfang. Obwohl ich zu jung dafür bin, die Sendung gesehen zu haben. Oder besser: genau deshalb. Ich bin nämlich erst vor kurzem auf "Notizen aus der Provinz" aufmerksam und neugierig geworden und würde nun gern mehr darüber wissen. Leider habe ich im Internet bisher fast nicht mehr gefunden als das, was auch hier schon dazu angemerkt ist. Also, wenn sich noch jemand an die Sendung erinnern und mir ein bisschen mehr verraten kann, wäre ich sehr dankbar.

    Cast & Crew

    Dies und das

    Legendäre Satiresendung von und mit Dieter Hildebrandt. Die Sendung stand unter Dauerfeuer vor allem konservativer Politiker und wurde 1979 nach einer Intervention des damaligen ZDF-Programmdirektors und späteren Intendanten Dieter Stolte abgesetzt.

    Aus dem Fernsehlexikon von Michael Reufsteck und Stefan Niggemeier (Stand 2005):

    Halbstündige politische Satirereihe von und mit Dieter Hildebrandt. Die Sendung parodierte Politmagazine, der Kabarettist Hildebrandt moderierte in einem entsprechenden Stil am Schreibtisch Beiträge an. Die Reihe lief sehr erfolgreich einmal im Monat am Sonntag um 21.00 Uhr.

    Das ZDF hatte offenbar ein eher harmloses, lustiges Magazin erwartet und kündigte Notizen aus der Provinz als „amüsanten Reflex auf Zeiterscheinungen“ an, doch Hildebrandt wurde zunehmend schärfer. Immer wieder protestierten vor allem konservative Politiker gegen die satirisch-kritischen Inhalte, z. B. 1978 der medienpolitische Sprecher der CDU, Christian Schwarz-Schilling, der sich in einem Brief an den Intendanten beschwerte, Hildebrandt habe ihn in „übler, journalistisch unqualifizierter Weise“ diffamiert, als er einen von Schwarz-Schilling nachträglich gestrichenen Satz aus einem heute-journal-Interview verwendete. 1975 setzte das ZDF eine Ausgabe zum Thema Abtreibung ab, 1977 eine über Terrorismus. Im Jahr dazwischen wurde Hildebrandt für die Reihe mit dem Grimme-Preis mit Bronze geehrt.

    Ab Januar 1978 gab es beim ZDF eine Dienstanweisung, dass dokumentarisches Material, das die Notizen immer wieder in die neu gedrehten Beiträge eingebaut hatten, nicht mehr für solche Zwecke verwendet werden dürfe – dadurch verlor die Sendung an Schärfe. Ein Jahr später verlor sie den Schreibtisch. Hildebrandt hatte eine neue Studiodekoration und die Sendung nicht mehr den Zusatz „Magazin“ sondern „Satirische Randbemerkungen“, weil man, so Hildebrandt, beim ZDF der Meinung sei, „dass Schreibtisch und Magazincharakter das Publikum verleiten könnten, die Sendung ernst zu nehmen“.

    Für das Wahljahr 1980 verordnete ZDF-Programmdirektor Dieter Stolte Hildebrandt und seiner Reihe nach 66 Folgen eine „Denkpause“- vermutlich auch, um sich bei den Politikern beliebt zu machen: Stolte musste schließlich von Politikern zum Intendanten gewählt werden. Die Pause endete nie, Hildebrandt wechselte zur ARD, wo er ein halbes Jahr später mit Scheibenwischer auf Sendung ging.