Deutsche Erstausstrahlung: 18.03.1973 WDF

    „Je später der Abend“ war die erste Talkshow im Deutschen Fernsehen. Die Reihe sorgte seinerzeit für eine Reihe von Skandalen bzw Skandälchen. Unvergessen der Auftritt von Romy Schneider 1974 mit dem Ex-Bankräuber Burkhard Driest („Sie gefallen mir, Sie gefallen mir sogar sehr … “). Aber auch die Moderatoren sorgten für viel Diskussionsstoff: Dietmar Schönherr, Hansjürgen Rosenbauer (später ORB-Intendant) und letztlich Reinhard Müchenhagen, der dieser ersten Talkshow das Licht ausblies … (Text: Harry Konrad)

    Je später der Abend auf DVD

    Je später der Abend – Community

    Timolino (geb. 1979) am 02.01.2016 10:25: Ich wäre auch für eine Wiederholung. Besonders die Sendung mit Romy Schneider würde mich interessieren. Hab grad letztens den WDR bezüglich einer DVD Veröffentlichung angeschrieben. Nun heißt es Daumen drücken!
    Wilhelm Olliges (geb. 1979) am 12.12.2005: Ich bin persönlich stark daran interessiert, dass diese Talkshow nochmal ausgestrahlt wird. Ich habe die Show gesehen, wo Kinski mit Manfred Krug bei Münchhagen sitzen. Kinski in Höchstform. Abstrakte Gedanken nehmen ihren Lauf. Absolut sehenswert.
    Claus (geb. 1960) am 14.08.2003: Die erste Talk-Show des deutschen Fernsehens. Für die Zuschauer war dieses Format ziemlich gewöhnungsbeürftig. Es wurde nicht gesungen oder gespielt, nein, Prominente kamen zu Wort und langweilten das Publikum mit ollen Kamellen. Talk-Shows haben sie durch die Jahrzehnte sehr verändert, aber besser als Je später der Abend sind sie trotzdem nicht.

    Je später der Abend – News

    Cast & Crew

    Dies und das

    Aus dem Fernsehlexikon von Michael Reufsteck und Stefan Niggemeier (Stand 2005):

    Einstündige Talkshow mit je drei prominenten Gästen.

    Erster Gastgeber war Dietmar Schönherr, der zuvor als Schauspieler in Raumpatrouille und als Moderator in der Skandalshow Wünsch dir was aufgefallen war. Gemeinsam mit dem Filmjournalisten Peter Hajek hatte er die Idee, das Format Talkshow aus Amerika zu importieren. Vorbild war vor allem die „Dick Cavett Show“, die ein intellektuelles Image, aber kaum Zuschauer hatte. Schönherr galt nun als erster deutscher Talkmaster. In der Premiere musste er noch erklären, was das eigentlich war, was er da veranstaltete: „Wir machen heute eine so genannte Talkshow. Was sie ist, das wissen Sie nicht – und wir auch nicht so genau. Denken Sie nicht, dass eine Talkshow das Gegenteil einer Nachtshow ist; Talk kommt von to talk, reden, das Ganze ist also eine Rederei.“

    Die neue Reihe lief neunmal im Dritten Programm des WDR und wurde ab Silvester 1973 in die ARD übernommen. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie noch immer keinen Skandal verursacht. 1974 trat die 64-jährige Inge Meysel auf und teilte mit: „Den Ausdruck Talkshow finde ich schrecklich“, was sie jedoch nicht daran hinderte, wenig später von ihrer Entjungferung Anfang der 30er-Jahre zu berichten. Einige Sendungen später legte Romy Schneider dem vorbestraften Bankräuber Burkhard Driest die Hand aufs Knie und schwärmte: „Sie gefallen mir. Sie gefallen mir sogar sehr“. Perfekt. Genau so hatte sich der zuständige WDR-Redakteur Hans-Joachim Hüttenrauch das vorgestellt. Er hatte 1973 erklärt, Ziel sei es, Gäste „möglichst bis an die Grenze des seelischen Striptease zu entblättern“.

    Die Show kam auf den Prestigesendeplatz am Samstagabend gegen 22.00 Uhr. Schönherr kündigte jedoch bald, weil er sich wegen der Gästeauswahl mit dem Redakteur Kay-Dietrich Wulffen zerstritten hatte. Stattdessen moderierten ab 1975 Hansjürgen Rosenbauer und ab 1976 Reinhard Münchenhagen (der zweite Moderatorenwechsel geschah angeblich aus dem gleichen Grund). Auch ohne Schönherr sorgte die Show weiter für Schlagzeilen, z. B. durch den Auftritt von Leni Riefenstahl 1976.

    Der Titel stammte vom WDR-Fernsehdirektor Werner Höfer, zugleich Moderator des Internationalen Frühschoppens. Er selbst hatte bereits in den 50er-Jahren die Plaudersendung Rhein-Ruhr-Clübchen moderiert, ohne zu wissen, dass es sich dabei um eine Talkshow handelte.

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