Deutsche Erstausstrahlung: 17.03.1968 DFF

    5-tlg. DDR-Biografiefilm von Karl Georg Egel und Harri Czepuk, Regie: Helmut Krätzig, Ingrid Sander, Achim Hübner.

    Axel Springer (Horst Drinda) macht mit Hilfe von Alt-Nazis, die einen echten Neuanfang nach dem Krieg verhindern wollen, Karriere als Zeitungsverleger, nutzt sein Zeitungsmonopol, um gegen die anständige DDR zu kämpfen, kann von jungen Frauen nicht lassen, führt sich im Betrieb als Tyrann auf und ist Teil eines gewaltigen Komplotts, an dem auch Franz Josef Strauß und Herbert Wehner beteiligt sind.

    Der Film verband Dokumentarisches mit viel Fantasie und bösem Willen, um Springer zu diskreditieren. Selbst SED-Genossen sollen das Werk ideologisch zu grobschlächtig gefunden haben. Der echte Axel Cäsar Springer kommentierte trocken: Ich habe gestaunt, dass die für meine Rolle einen so gut aussehenden Schauspieler genommen haben.

    Obwohl der Film von Anfang an als Fünfteiler angelegt war, liefen die letzten beiden Teile erst im März 1970. Das Thema hatte durch die Studentenunruhen 1968 eine so große Aktualität bekommen, dass die ersten drei Teile besonders schnell fertig gestellt und früher als geplant gezeigt wurden. Die späteren Folgen wurden nach den 68er-Ereignissen überarbeitet und aktualisiert.

    Die einzelnen Teile hatten Spielfilmlänge. (aus dem Fernsehlexikon von Michael Reufsteck und Stefan Niggemeier)

    Ich – Axel Caesar Springer auf DVD

    Ich – Axel Caesar Springer – Community

    Manuela H. (geb. 1971) am 06.10.2012: Der Film schildert den Aufstieg des 1912 in Altona geborenen Axel Cäsar Springer vom Sohn eines mittelständischen Druckers und Verlegers zum beherrschenden Pressemagnaten der Bundesrepublik Deutschland. Was an diesem offen propagandistisch angelegten Film Fiktion, Realität oder Halbwahrheit ist, möchte ich mangels ausreichendem Hintergrundwissen nicht entscheiden, doch unterhält dieser Fünfteiler auf ganz ausgezeichnete Weise. Dazu tragen in erster Linie die Darsteller bei, wobei die Besetzungsliste deutlich macht, dass nahezu alles, was in der damaligen DDR Rang und Namen hatte, in diesem Film mitwirkte. Horst Drinda, der später in der wohl berühmtesten DDR-Fernsehserie “Zur See” als Kapitän Hans Karsten mit väterlicher Warmherzigkeit, entschlossener Führungsstärke sowie trockenem Witz agierte und dafür zahlreiche Fans - auch mich übrigens - gewann, begegnet dem Zuschauer hier in einer gänzlich anderen Rolle. Er verkörpert Axel Springer auf faszinierende Weise. Einerseits zeigt er die Gefährlichkeit eines machtbesessenen Mannes, der um jeden Preis Karriere machen will und dafür alles zu tun bereit ist - ohne sich um die Legalität oder um die Interessen anderer Menschen auch nur im geringsten zu kümmern. Eiseskälte vermittelt sich dem Zuschauer, wenn er mit verkniffenem Mund und haßerfülltem Blick sein zynisches Weltbild offenlegt. Dann wieder entfaltet er mit strahlendem Lächeln einen schier unwiderstehlichen Charme, um Menschen, die seinem Aufstieg dienlich sein können, für sich einzunehmen. Jago und Richard III. hätten ihre helle Freude an diesem Mann. Andererseits läßt Horst Drinda den von ihm gespielten Verleger auch immer wieder als Karikatur erscheinen. Bei Rückschlägen verkriecht sich sein manisch-depressiv und paranoid anmutender Springer ins Bett, betäubt sich mit Alkohol und muß von seinen Getreuen mit einer Wasserdusche oder Aufputschmitteln wieder aktiviert werden. Wie ein verwöhntes Kind, das alles haben möchte und von allen geliebt werden will, buhlt er zum Zuneigung und Einfluß und reagiert sogar mit Wutausbrüchen und Tränen, wenn er nicht bekommt, was er will. In kleinen Momenten macht Horst Drinda aus dem scheinbar allmächtigen Mann eine alberne Figur, etwa wenn er beim allzu scharfen Galopp aus dem Sattel eines Pferdes fällt, wenn er bei der Zurechtweisung seiner Gattin Rosemarie in einen See platscht oder wenn eine für eine Nacht in einer Kneipe geschlossene Mädchenbekanntschaft ein für beide unbefriedigends Ende nimmt. Neben Horst Drinda glänzt vor allem Otto Mellies, der gegen sein sonst übliches Rollenklischee als positiver Held hier als homosexueller Industriellensohn Horst- Herbert Alsen besetzt wurde und diese Rolle offensichtlich genießt. Liebevoll nennt Alsen Springer “mein Cäsar” und unterstützt ihn entscheidend bei seinem Aufstieg. Dass die beiden von ihnen verkörperten Charaktere eine sehr intensive Beziehung unterhalten, spielen Horst Drinda und Otto Mellies zwar subtil, aber dennoch mit unterschwelliger Sinnlichkeit. Die Karikatur entfaltet sich dann, wenn Alsen Springer bei ihrer ersten Begegnung verführen will, dieser sich jedoch wieder einmal bis zur Besinnungslosigkeit betrunken hat und zeigt sch auch, wenn Alsen Springer seine Gattin aus finanziellen und machtpolitischen Interessen “abtritt”. Ebenfalls bemerkenswert gegen seinen sonstigen Typ als Negativfigur besetzt, spielt Herwart Grosse hier einen Kommunisten, der Springer Paroli bieten will und Erik S. Klein liefert eine amüsante und barocke Interpretation von Strauß. Doch auch die übrigen Darsteller tragen zum hohen Unterhaltungswert des Films bei. Übrigens bestätigt das in der DVD-Box enthaltene Porträt über den Verleger, dass Springers Bemerkung “Es hat mich gewundert, dass sie für meine Rolle einen so gut aussehenden Schauspieler genommen haben.” sehr untertrieben ist. Horst Drinda ist bei weitem attraktiver als das Original.
    Andreas K. (geb. 1966) am 03.05.2012: Hallo, ich suche diese Serie auch schon länger aus persönlichem Interesse. Wo hast Du das denn gesehen? Besten Dank schonmal für Infos.
    Manfred G. (geb. 1962) am 19.04.2012: Nachtrag: Auch im Berliner Zeughauskino werden in unregelmäßigen Abständen Filme gezeigt, welche im dritten Reich entstanden und nach 1945 verboten wurden. Diese VORBEHALTSFILME werden kurz eingeführt und anschließend mit den Zuschauern diskutiert.
    Manfred G. (geb. 1962) am 18.04.2012: Am 2. Mai wäre Axel Caesar Springer 100 Jahre alt geworden. Vor 44 Jahren drehte der Deutsche Fernsehfunk eine 5 teilige biografische Miniserie über diesen “mächtigsten, einflussreichsten und auch umstrittensten Verleger der Nachkriegszeit” (Quelle: ARD Text vom 18.04.2012). Vor einem dreiviertel Jahr war diese Serie für wenige Tage in einem der großen Internet-Videoportale zu finden. Ich würde mir wünschen, egal welcher öffentlich rechtliche Sender, diese Serie nochmals auszustrahlen, mit einer anschließenden kurzen Diskussion des jeweiligen Teils. Ähnliches fand 1994 mit dem Regisseur Kurt Maetzig nach der Ausstrahlung des ersten Teils “Ernst Thälmann - Sohn seiner Klasse”, anlässlich der damals 50. Wiederkehr der Ermordung Ernst Thälmanns, statt.
    Benjamin Schürmann (geb. 1989) am 02.06.2009: Hallo, ich bin schon lange auf der Suche nach allen 5 Teilen des Filmes - können Sie mir da weiter helfen oder einen Tip geben, wo ich noch suchen könnte? - Ich wäre Ihnen sehr verbunden. Benjamin Schürmann

    Cast & Crew

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