159 Ausgaben
    Deutsche Erstausstrahlung: 05.01.1989 RTLplus

    „Der heiße Stuhl“ war der Vorreiter aller Krawall-Talkshows in deutschen Fernsehen. Jeweils ein Gast hatte eine provokante These gegen fünf was stest zu sehr heftigen und persönlichen Streiterein führte. Nach dem Prinzip „Alle gegen einen“ wurde unter der Leitung von Olaf Kracht und Ulrich Meyer fünf Jahre lang lautstark diskutiert, geschrien und gestritten.

    Bekannte Teilnehmer auf dem heißen Stuhl waren u.a. Angela Merkel oder der bekennend schwule Regisseur Rosa von Praunheim. Letzterer sorgte am 10.12.1991 für einen regelrechten Eklat, als er Hape Kerkeling und Alfred Biolek ohne deren Wissen vor der gesamten Nation als ebenfalls schwul outete.

    Ab Ende 1993 durften auch Kinder auf dem heißen Stuhl diskutieren: RTL produzierte den Ableger der Show „Der haiße Stuhl“, in der ein Erwachsener seine Meinung den Kindern gegenüber zu vertreten hatte.

    Unter dem Namen „Natascha Zuraw“ sollte die Sendung mit ähnlichem Konzept als Nachmittagstalk im Jahr 2008 neu aufgelegt werden, wurde aber sehr bald schon wieder eingestellt. (Text: Basti)

    Adaption als Der HAIsse Stuhl
    Neue Version als Der heiße Stuhl (2016)

    Explosiv – Der heiße Stuhl – Community

    ANCH (geb. 1968) am 21.07.2011: Gibt es irgendwo die Folge über Satanismus zubekommen?
    Frank und Freunde (geb. 1970) am 05.12.2006: Diese Sendung war ein Knaller. Ich fands gut, weil man hier sah, wie Politiker, Künstler, Sportler usw. aller Couleur wirklich vom Charakter her sich verhalten. Dern Mann/Frau auf dem heissen Stuhl bekam mehr als seine 4 Gegner. Die bekamen nach meiner Erinnerung 6000 DM. Für eine Stunde blöd quatschen ist das ganz schön viel - andere arbeiten mehrere Monate hart dafür. Dennoch hats Spass gemacht. Es waren natürlich wieder alle dabei, auch Gregor Gysi und konservative Pedanten waren sich nicht zu schade, irgendwelche Thesen loszulassen. Peter Kern provozierte mal die Leute mit der These "Dicke leben gesünder !" - Provokation als Konzept - warum eigentlich nicht, wenn es in einem bestimmten Rahmen bleibt.
    Stephan (geb. 1973) am 19.01.2004: Hi, weiss einer genau, wie die Melodie heisst ? Hab das unter "der heisse Stuhl.mp3" gefunden, aber nur 460 KB gross, da geht doch noch mehr oder :-) Danke
    Emil (geb. 1962) am 06.01.2004: DER HEISSE STUHL - RTL übernahm mal wieder ein erfolgreiches amerikanisches Format - und passte es deutschen Sehgewohnheiten mit Erfolg an. Eine völlig neue Streitkultur eintstand - und manchmal dachte ich - so denken sie wirklich die Herren/Frauen Kandidaten auf dem Stuhl und die Gegner. Denn bei aller Kritik - alle Kandidaten gaben sich mit Leidenschaft dem offenen Streit hin. Zumindenstens wurde es nicht langweilig und Offenheit kann man immer schätzen.
    Edwin (geb. 1965) am 05.01.2004: Hmm der heisse Stuhl-Themen wie "Volksmusik ist Volksverdummung", was irgendein Professor behauptete und der Heinz Schenk und andere als Gegner hatte, sowie andere "heisse" Themen gabs auf dem "heissen" Stuhl. Da krachte es richtig und bei oben genannten Thema äusserte sich Heinz Schenk schon mal empört: "Sie haben keine Ahnung, welche Bedeutung Volkslieder für die Demokratie sind. Ich musste in meiner Jugend noch Nazilieder lernen ! Sie wissen nicht wie schrecklich das ist !"

    Explosiv – Der heiße Stuhl – News

    Cast & Crew

    Dies und das

    Aus dem Fernsehlexikon von Michael Reufsteck und Stefan Niggemeier (Stand 2005):

    Krawallshow.

    Am Anfang jeder Sendung stand eine provokante These eines Gasts, der damit auf dem „Heißen Stuhl“ Platz nahm. Der bestand im Grund nur aus einem Kissen auf einem spitzen Dreieck aus Draht mit Sitzfläche. Dem Gast gegenüber standen vier bis fünf Kontrahenten, die anderer Meinung waren. Es ging laut zu, die wenigsten Diskussionsteilnehmer konnten allein zu Wort kommen, geschweige denn ausreden, und sobald die Lautstärke nachließ, heizte Moderator Ulrich Meyer die Stimmung wieder an. Die Gäste schrien sich an, oft wurde es polemisch, manchmal persönlich. Da es zuvor keine vergleichbare Sendung gegeben hatte, hatte das Konzept Erfolg, erreichte gute Einschaltquoten und wurde zu einem Symbol für das Privatfernsehen schlechthin.

    Beispielhaft für das Niveau der Thesen war diese aus dem Jahr 1991: „Männer sind hirnlos, unförmig und primitiv.“ Als Gegner eingeladen waren u. a. der Buchautor Joachim Bürger, der später als gezielter Talkshow-Provokateur enttarnt wurde, und Hans-Peter Willing, Gründer des „Vereins zur Witwenverbrennung“. Häufiger wagte sich das Format auch an Politisches: Im Mai 1991 nahm DDR-Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski (RTL: „der geheimnisvollste und meistgehasste Mann des SED-Regimes“) auf dem Stuhl Platz. Ein Bischof erklärte an selber Stelle Homosexualität zur Unzucht und Uta Ranke-Heinemann den Zölibat zur „vorverlegten Abtreibung“, Bazon Brock verurteilte den „organisierten Karneval“, und Erich Böhme kämpfte gegen die Wiedervereinigung.

    Endgültig berüchtigt wurde die Sendung, als Rosa von Praunheim am 10. Dezember 1991 auf dem heißen Stuhl die These vertrat, homosexuelle Prominente sollten ihr privates Liebesleben der Öffentlichkeit zugänglich machen, und bei der Gelegenheit die nicht anwesenden Prominenten Hape Kerkeling und Alfred Biolek outete sowie, „ganz hypothetisch“, Johannes Rau und Peter Gauweiler. Das Presseecho war gigantisch. „Bild“ titelte: „Pfui, Rosa! Schwulen-Verrat im TV.“ Erstaunlich war, dass Praunheim überhaupt eingeladen worden war. Eigentlich hatte er nämlich schon einige Wochen zuvor für ein von RTL mit ihm geplantes Schwulenmagazin eine solche Aktion angekündigt, woraufhin der Sender die Zusammenarbeit abbrach. RTL-Chef Helmut Thoma hatte die Trennung mit den Worten begründet: „Platz für sexuelle Denunziation wird es bei mir nicht geben.“

    Als Ulrich Meyer 1992 zu Sat.1 wechselte, um dort die ganz ähnliche Show Ulrich Meyer: Einspruch! zu veranstalten, übernahm Olaf Kracht die Moderation. Er hatte Meyer zuvor bereits mehrfach vertreten. Von Kracht stammt der Satz: „Bleiben Sie dran, ich zähl auf Sie“ vor dem Werbeblock. Als die Einschaltquoten innerhalb eines halben Jahres von 5 auf 2,5 Millionen Zuschauer zurückgingen, stellte RTL die Sendung nach insgesamt 159 Ausgaben ein. Kurzlebiger Nachfolger wurde Explosiv – Das heiße Eisen.

    Die Show, die zuvor alle 14 Tage dienstags gegen 22.00 Uhr zu sehen war, wanderte nach dem Weggang Meyers auf den Montag und lief anschließend wöchentlich, später abgekoppelt von Explosiv nur noch unter dem Namen Der Heiße Stuhl. Die Dauer der einzelnen Sendeungen schwankte zwischen 45 und 60 Minuten.