Die Melancholie der Haruhi Suzumiya

    Die Melancholie der Haruhi Suzumiya

    J 2006 (The Melancholy of Haruhi Suzumiya / Suzumiya Haruhi no yûutsu)

    Haruhi ist ein Mädchen, das die Welt ziemlich langweilig findet und sich nach Abenteuern sehnt. So gründet sie einen Club, die „S.O.S. Brigade“, die mysteriöse Ereignisse finden und aufklären soll …

    Die Melancholie der Haruhi Suzumiya auf DVD

    Die Melancholie der Haruhi Suzumiya – Community

    Holger (geb. 1980) am 18.05.2012: Gibts von haruhi eine dritte staffel wenn ja wann
    Hughes (geb. 1979) am 09.10.2009: @Max: Ob sich Tanigawa jemals dazu geäußert hat, weiß ich nicht. Mir ist nur ein kurzes Interview mit ihm bekannt (www.baka-tsuki.org/project/index.php?title=Interview_with_Tanigawa_Nagaru), in dem das Thema nicht angeschnitten wird. Sollte es so gewirkt haben, als würde ich Deine Interpretation komplett ablehnen: Dem ist nicht so. Ich halte sie durchaus für möglich. Nur ist den meisten Japanern von klein auf bekannt, daß jede Gottheit zürnen kann. Es gibt aber auch etwa eine Million Christen in Japan. Und da selbst in vielen mehrheitlich christlichen Ländern Europas so manch Gläubiger den zürnenden Gott des AT gar nicht kennt oder kennen will, könnte es in Japan ähnlich (wenn auch weniger wahrscheinlich) sein. Sollte Tanigawa etwa von vornherein mit einem über die Landesgrenzen hinausgehenden Erfolg gerechnet haben oder wollte er seine Geschichte nur globaler gesehen haben? Beides spräche wiederum für Deine Theorie. Wie dem auch sei. Ich betrachte einen zu diesem Thema so interpretationsfähigen Stoff auf jeden Fall für sehr interessant. Inzwischen habe ich auch den ersten Roman gekauft und fertig gelesen (der zweite erscheint noch in diesem Monat in englischer Sprache). Scheinbar stimmt das Gerücht, daß Strato, der hinter den Übersetzungen von a.f.k. steckt, die Übertragung ins Englische gemacht hat, weil vieles eins zu eins von seinen Untertiteln übernommen wurde und auch das Vokabular sehr ähnlich ist. Für die Zeichentrickversion hat sich Kyôto Animation sehr genau an Tanigawas Vorlage gehalten. Die markantesten Veränderungen sind vielleicht, daß Kyon im Buch noch etwas zynischer dargestellt und seine Verschossenheit in Mikuru mehr betont wird. Daß z. B. Haruhi eigentlich schwarze Haare hat, ist völlig egal. Ich will Dich natürlich nicht zum Weiterschauen verpflichten, denn die Episoden 15-28 eignen sich nicht wirklich dazu, Zuschauer anzulocken, aber vielleicht interessiert Dich ja diese Richtung mehr: Gegen Ende von "Suzumiya Haruhi no Tameiki" passiert das, worauf ich während der ersten 14 Folgen vergeblich gewartet hatte: Yuki, Mikuru und Itsuki zeigen gegensätzliche Ansichten, wobei v. a. letztere Figur stark an Profil gewinnt. Ich hatte das Aufgreifen dieses Themas als einen der roten Fäden - neben der aufkeimenden romantischen Beziehung zwischen Kyon und Haruhi und ihrer Reifung als Mensch - eigentlich schon früher erwartet. Denn die Konstellation ist eigentlich prädestiniert für einen Konflikt zwischen den drei Fraktionen, wobei Kyon sowohl als verbindendes Element als auch als Spielball fungiert, der von den dreien in unterschiedlichen Graden für ihre Zwecke manipuliert und gegen die anderen beiden ausgespielt wird (bzw. versuchen sie das). Ich hoffe, daß dieser Handlungsstrang in Zukunft noch ausgeweitet wird. "Suzumiya Haruhi no Shôshitsu" wird übrigens im Frühjahr 2010 als Film zu sehen sein. Quelle: www.animenewsnetwork.com/news/2009-10-08/disappearance-of-haruhi-suzumiya-film-announced-for-2010
    Max (geb. 1973) am 23.09.2009: @Hughes: Ich wollte keineswegs die komplette Fanszene von DMdHS verurteilen. Das stünde mir ob meines kaum vorhandenen Wissens über und Einblicks in diese gar nicht zu. Ich hatte nur aufgrund meiner Kenntnis über Fans im Allgemeinen und Fans diverser anderer Serien im Besonderen eine gewisse Vermutung bzgl. der Betrachtung Haruhis in dieser Szene: nämlich, dass (wie geschrieben) nicht wenige dabei eine einseitig verherrlichende Sichtweise an den Tag legen. Viele, aber keineswegs alle. Auch aus dem in den angesprochenen Threads Gelesenen schloss ich nicht, dass dieses nun für die ganze Anhängerschaft der Serie total symptomatisch ist. Sollte ich diesen Eindruck erweckt haben, so war das nicht meine Intention. Dass kritische bis negative Kommentare über die Protagonistin existieren, konnte ich mir sehr wohl vorstellen bzw. habe ich durchaus erwartet. Darauf, dass diese absolut keine Ausnahme sind oder gar in der Mehrzahl, hätte ich allerdings zugegebenermaßen nicht unbedingt gewettet. Wenn es so ist begrüße ich das auch deshalb, weil die Serie eine Zuschauerschaft verdient hat, deren Beschäftigung damit über "Ich schau's mir so gern an weil ich die Haruhi so cool finde" hinausgeht. Das muss ich DMdHS ohne wenn und aber zugestehen, obgleich ich mich erklärtermaßen nicht wirklich dafür begeistern kann. Mir kommt es schon so vor, als könnte man Haruhi als eine Parabel auf Gott nach monotheistischer Vorstellung betrachten. Und dabei gleichzeitig als eine Absage an den neutestamentarisch-christlichen Glauben sowie dessen Verwandte. Ich sehe (bisher) weniger eine hoffnungsvolle Botschaft heraus denn eben vielmehr die Aussage, dass (selbst) Gott das Böse nicht fremd ist. Dass er im Gegenteil sogar ob seiner Macht dazu neigt oder zumindest dazu neigen kann, dieses ungehemmt auszuleben. Was in Konsequenz bedeutete: Bedingungs- und kritiklose Huldigung Gottes ist letzten Endes ein Zeichen der eigenen Ignoranz. Und damit nur unterstreichen würde, dass alle Haruhi-Verehrer auf dem Holzweg sind. Mich würde Nagaru Tanigawas Meinung dazu interessieren, es nähme mich aber nicht Wunder hielte er sich dazu bedeckt und überließe die Interpretation dem Betrachter. Ansonsten ist von meiner Warte fürs Erste alles zu DMdHS gesagt. Ich denke schon, dass ich mir irgendwann wenigstens noch ein paar weitere Folgen ansehen werde, aber wann, ist offen. Momentan finde ich das von dir nicht zu Unrecht empfohlene Sayonara Zetsubo Sensei verfolgenswerter, trotzdem mir, wie im KP-Forum bereits geschrieben, die hektische Machart nicht so ganz zusagt.
    Hughes (geb. 1979) am 12.09.2009: @Max: Daß ich Erwachsene nicht generell als intelligenter als Kinder und Jugendliche einstufe, habe ich im KP-Thread schon erklärt. Ich hatte nur die Altersangaben der User gelesen, von denen die Antworten im Thread "Warum mögt ihr [...]" stammten. Sofern man diesen Glauben schenkt, sind zwei nicht älter als 15 und vom dritten User stammte das Zitat. Ich war einfach nur überrascht, wie einseitig Haruhis Charakter dort gesehen wird, und eine undifferenzierte Betrachtung war auf keinen Fall das Ziel Tanigawas. Daß das Wort "fan" eigentlich die Abkürzung von "fanatic" ist, paßt heute dem Anschein nach mehr denn je. Oder etwas abgeschwächt formuliert: Wer etwas mag oder liebt, blendet die negativen Seiten leichter aus. Bei Shego ist das wohl Hegos Satz in "Go Team Go": "[...] the more we fought evil, the more Shego liked it [= the evil]." Du gehst mir mit der SHnY-Anhängerschaft aber etwas zu hart ins Gericht. Denn seit "Endless Eight VIII" lese ich bei AnimeSuki in jedem Thread zu den neuen Folgen kritische Kommentare über Haruhi und seit "Suzumiya Haruhi no Tameiki (The Sighs of Haruhi Suzumiya)" sogar (zu Recht) überwiegend negative. Und ich gehe davon aus, daß über entsprechende Szenen in den ersten 14 Episoden etwas Ähnliches dort geschrieben steht. Ich hatte mich vor den neuen Episoden großteils auf das Lesen der Threads beschränkt, die über Neuigkeiten zu einer möglichen weiteren Staffel berichten, weil ich mir von den Romanlesern die Spannung nicht verderben lassen wollte. Nur in jenem überschaubaren deutschsprachigen Forum hatte ich auch Threads zu anderen Themen durchgelesen. Von diesem auf alle zu schließen ist aber definitiv ein Trugschluß. Es tut mir leid, Dich mit dem Link unabsichtlich in die Irre geführt zu haben. Das war nur mein damaliger Wissensstand bezüglich Fankommentare zu Haruhi. Ich glaube auch, daß Tanigawa den Gottesbegriff mittels seiner vermutlich exzentrischsten Schöpfung in den Raum stellen wollte. Wobei damit eher weniger der christliche = islamische = jüdische Gott gemeint ist, sondern der im Shintô darunter verstandene Begriff. Denn im Shintô steckt in jedem Wesen, ganz gleich ob Tier, Mensch, Geist oder Gottheit, eine komplexe Natur. Eine simple Einteilung nach Gut und Böse gibt es nicht. Das paßt besser zu Haruhis Charakter als der liebende, barmherzige Gott des NT. Wie auch immer Tanigawa den Begriff gesehen haben will, so ist zumindest die Perspektive, aus der er die Geschichte schildert, dahingehend interpretierbar: Der Zuschauer sieht sie nicht neutral von außen, sondern mit den Augen des einzigen "Normalen". Er wird damit näher ans Geschehen herangeführt. Dem Ich-Erzähler stehen die restlichen vier Mitglieder der SOS-Brigade gegenüber: allesamt mit anormalen Kräften ausgestattete Wesen, mit denen man sich naturgemäß schwieriger identifizieren kann. Zur Auflockerung des Stoffes und um in spezielle Opposition zur Hauptfigur zu treten ist dieser normale Mensch allerdings ein desillusionierter Zyniker, der das Land der Wünsche und Träume verlassen hat und nun in Pragmatikerhausen residiert (siehe z. B. seine Rede über Genies in "Suzumiya Haruhi no Yûutsu I", wo er "Average people like us are best off living ordinary lives." von sich gibt). Kyons grauer und hoffnungsloser Vorstellung vom Leben stellt Tanigawa die Lebensfreude Haruhis gegenüber. So gesehen ist vielleicht "Eine Gottheit (oder allgemein: Die Religion) kann dir Hoffnung schenken" die hier vermittelte Aussage. Ob die Geschichte tatsächlich als Parabel zu verstehen ist und welche Lehre(n) damit vermittelt werden soll(en), wird eventuell die Zukunft zeigen, da im Moment der zehnte Roman in Arbeit ist. Bei "Suzumiya Haruhi no Shôshitsu", dem vierten Teil der Romanreihe, geht es - das verrät schon der Name ("shôshitsu" bedeutet u. a. "Verschwinden") - um eine Welt ohne Gottheit (wenn man so will), denn Kyon ist in einer Welt ohne Haruhi. [SPOILER für genauere Exposition] Yuki ist keine Außerirdische, Ryôko nicht tot, usw. [SPOILER-Ende] Er versucht nun in seine Welt zurückzukehren. Tanigawa spielt hier also das "Was wäre wenn?" - Spiel, in dem er Kyon sich für eine Welt mit Gottheit entscheiden läßt. Warum Kyon das tut und warum ihm überhaupt bewußt ist, in einer anderen Welt zu sein (Stichwort: Reinkarnation), kann ich nicht sagen, da ich den Roman noch nicht gelesen habe. Ich führe es nur als weiteres Beispiel für die Bedeutung des Gottesbegriffs in der Serie an. Ad SP: Die Verwandtheit im Stil zu Terry Gilliams Arbeiten hätten mir eigentlich auffallen sollen. Na ja, egal. Auf jeden Fall danke für die Erläuterungen.
    Max (geb. 1973) am 04.09.2009: @Hughes: Was von der heutigen Jugend zu halten ist, wissen wir ja spätestens seit Sokrates und Platon :-). Aber die Beiträge in den angesprochenen Threads stammen nicht ausschließlich von jugendlichen Semestern. Und einseitige, oberflächliche Betrachtung sowie falsche Heldenverehrung sind keineswegs nur unter diesen anzutreffende Phänomene. Jene Spezies namens Fans ist generell dafür nicht gerade unanfällig. Meine Vermutungen bzgl. der Betrachtung Haruhis in der Serien-Anhängerschaft kamen jedenfalls nicht von ungefähr. Dementsprechend war ich eben nicht sonderlich verwundert, dass sie zumindest fürs Erste eindrücklich bestätigt wurden. Wenigstens eine einzige kritische Anmerkung hätte ich aber schon auch zumindest halbwegs erwartet, und es wäre mir sicher lieber gewesen eine solche tatsächlich zu lesen. Genauso hätte ich alles andere als etwas dagegen, stünde der von dir erwähnte Forumseintrag inhaltlich nicht allein auf weiter Flur. Ich persönlich finde ja schon - um den Bogen zu KP zu schlagen - die weitverbreitete Tendenz, in Shego ausschließlich die coole, amüsante, starke und furchtlose Figur zu sehen, nicht ganz so dolle. Bei Haruhi ist eine totale Idolisierung für mich noch fehler am Platz. Einen Spruch, der nochmal von anderem Kaliber ist als der von wegen der Wunschfreundin, habe ich ursprünglich übrigens sogar übersehen: "Ich mag Haruhi weil (…) ihr jedes Mittel Recht ist um an ihr Ziel zu kommen". Mit evtl. Unüberlegtheit lässt sich eine solche Ansicht nicht mehr abtun. Nun gut (bzw. ungut), zu einem anderen Punkt. Ich habe mir jüngst noch mal über die Darstellung Haruhis und etwaige Gründe dafür ein paar Gedanken gemacht. Und mir dabei - auch animiert von deiner Anmerkung "gottähnliche Kreatur" - überlegt, ob sie nicht etwa eine Parabel auf Gott sein oder eben diesen darstellen soll: als allmächtiges Wesen, das sich aufgrund dieser Allmacht alles erlauben kann und dies auch rücksichtslos tut. Das wäre nun ein interessanter Ansatz, der eine plumpe Verherrlichung der Protagonistin jedoch natürlich auch nicht rechtfertigte. Im Gegenteil wäre das m.E. eine Aufforderung zu kritischem Betrachten und Denken. Aber auch wenn ich mit dieser Interpretation falsch liegen würde: Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass eine undifferenzierte Verherrlichung Haruhis und eine Aussage wie die obig zitierte im Sinne ihrer Erfinder sind. Die Simplizität der South Park-Ästhetik hat, passend, einen simplen Hintergrund: nämlich das fehlende bessere handwerkliche Können der Schöpfer Trey Parker und Matt Stone (sowie außerdem den Einfluss der Cartoons in Monty Python's Flying Circus, von welchem beide bekennende Fans sind). Als Stilmittel und Erkennungsmerkmal wurde diese Schlichtheit (Obwohl es, wie gesagt, im Laufe der Zeit eine deutliche Weiterentwicklung gab) beibehalten. Dass durch sie der Inhalt im Fokus bleibt ist sicher richtig, aber ob dieser Punkt je eine tragende Rolle in den Überlegungen gespielt hat weiß ich nicht. Auf jeden Fall relevant für die Macher ist, dass die einfache Gestaltung eine schnelle Produktion ermöglicht und diese wiederum das rasche Eingehen auf aktuelle Ereignisse und Themen.

    Auch interessant …