Bild: MDR/Postworx
    Die Honigmacher von Schloss Tonndorf – Bild: MDR/Postworx

    Die Honigmacher von Schloss Tonndorf

    D 2014
    Deutsche Erstausstrahlung: 03.04.2014 MDR

    Die Deutschen lieben Honig. Mit einem Pro-Kopf-Verzehr von 1,4 kg sind sie einsame Spitze. Etwa ein Viertel des Verbrauchs produzieren die hiesigen Imker. Für die meisten ein stichhaltiges Hobby. Nicht für Michael Grolm und Harald Stiefel. Für sie ist die Imkerei Berufung und Existenz.

    Ein Bienenjahr lang hat Susanne Köpcke „Die Honigmacher von Schloss Tonndorf“ begleitet. Über 100 Völker pflegen und hegen die Männer. Doch bevor der erste Honig fließt, gibt es viel zu tun. Die Imkerei ist kein Honigschlecken. Besonders dann, wenn die 30 Kilo schweren Honigräume bewegt werden müssen. Das hat auch Hanna Thorwart schnell erfahren. Sie ist die „Azubiene“ im Imker-Team und im dritten Lehrjahr. Im Sommer muss die 22-Jährige ihre Abschlussprüfung bestehen. Bang ist ihr nicht. In Michael Grolm hat sie den perfekten Lehrmeister gefunden.

    Der 41-Jährige ist ein kluger und kritischer Geist. Der Zwei-Meter Mann aus Süd-Deutschland ist Landschaftsgärtner, hat ein Agrarstudium absolviert und gründete eine Bioland-Imkerei aus Liebe zur Natur. Eine Existenz, die angesichts von gentechnisch manipulierten Pflanzen, Flächenbebauung und Rasen- statt Blumengärten gefährdet ist. Deutschlands „Bienenweiden“ werden knapp. Dagegen will und muss er was tun. Und so unterstützt er jeden, der Imker werden will, denn da wo Bienen sind, ist Leben.

    Harald Stiefel, Grolms Partner, ist ein Spät-Einsteiger. Der 45-Jährige ist aufgewachsen im Schwabenland. Schon sein Onkel hatte Bienen, aber Harald hat Maschinenschlosser gelernt, später einen Kinderzirkus mit gegründet, einen Abenteuerspielplatz betreut und seit 2005 lebt er mit seiner Familie auf Schloss Tonndorf. Dieser kleine thüringische Ort zwischen Weimar und Erfurt gelegen hat es ihm angetan. Und besonders das Schloss. Der 45-Jährige gehört zu den Gründungsmitgliedern der Lebensgemeinschaft. Damals erweckte eine Gruppe Wagemutiger den „alten Kasten“ aus dem 13. Jahrhundert aus dem Dornröschenschlaf.

    Schloss Tonndorf hat eine wechselvolle Geschichte. Zuletzt diente es als Altersheim. Sieben Jahre stand es leer. Heute leben 30 Erwachsene und noch mal so viele Kinder auf dem 15 Hektar großen Areal. Es ist ein magischer Ort. Vom Turm bietet sich ein fantastischer Blick ins Weimarer Land. Michael Grolm entdeckte dieses Paradies für sich 2006 und wusste sofort: „Das ist mein Platz!“ Mit Freundin und Imkerei zog er von Süd-Deutschland nach Thüringen. Ihre Kinder Anton und Malte sind hier geboren und erleben den Rhythmus der Natur hautnah. Grolm ist ein Motor, kann andere Menschen begeistern. Schnell hatte er Harald mit dem „Bienen-Virus“ infiziert.

    Inzwischen sind die beiden Partner, betreiben gemeinsam die „Schlossimkerei Tonndorf“. Auf den Streuobstwiesen rund ums Schloss können sich ihre Bienen laben. Nach der Baumblüte ziehen die Imker in den Raps, in die Akazien, in die Linde und später in die Heide. Die Zeit der Wanderschaft ist besonders arbeitsintensiv. Da passt es gut, das ein neuer Lehrling anheuert. Max Reschke – ein Tausendsassa. Gerade mal 18, aber schon Hobbyimker, Bienenkorbflechter, Musiker, „Ape“-Fahrer und natürlich der Liebling aller Bienen. (Text: MDR)

    Cast & Crew